Wechselbad der Gefühle

Kann ich ein Buch schreiben? Diese Frage hat mich über Jahre beschäftigt. Immer dann, wenn mich wieder ein Leser meiner Kolumne ansprach und sagte, wie sehr ihm meine Texte gefallen würden und mich dann fragte, wann ich denn mal mehr schreiben würde. Kurze Kolumnentexte zu schreiben, selbst wenn dies regelmäßig erfolgen muss, ist etwas anderes, als ein Buch zu schreiben.
Wechselbad <br /> der Gefühle by Simon, on Flickr
Foto: Wechselbad
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 Aber der Gedanke beschäftigte mich über Jahre. Vielleicht würde mir ein Schreibworkshop bei einem erfahrenen Autor helfen? Also besuchte ich einen und erntete großes Lob vom Leiter. „Vera“, sagte er, „du bist hier die Königin. Du musst mehr schreiben.“
Vielleicht sollte ich mich wirklich mehr damit auseinandersetzen? Also kaufte ich mir die einschlägigen Ratgeber „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ oder „Über das Schreiben“. Ich las über die optimale Kreation von Charakteren, über Prämissen und Perspektiven. Die Fakten schwirrten nur so durch meinen Kopf. Ein Buch schreiben, das ist sehr viel Arbeit. Dies war die wesentliche Erkenntnis. Ich würde das sicher nie schaffen.
Dann kam dieser Tag vor zwei Jahren, als mir eine Freundin eines ihrer Lieblingsbücher empfiehl. Ich las es und plötzlich war alles so klar. Genau so wollte ich auch mein Buch schreiben. Das war es. Es lag völlig klar vor mir und ich konnte gar nicht erwarten, zu beginnen.
Kaum drei Monate später hatte ich meinen Roman geschrieben. Dachte ich. Nicht nur das. Motiviert dadurch, dass es so leicht zu sein schien, einen Roman zu schreiben, begann ich gleich, eine zweite, völlig überdrehte Idee umzusetzen. Während ich daran schrieb, lasen die ersten Freunde mein Erstlingswerk und waren schier begeistert. Ich schwebte und begann, mich mit der Suche nach einem Verlag zu beschäftigen.
Zwei Monate später war auch mein zweites Werk fertig und sehr unsicher, ob es gefallen würde, gab ich es den Freunden zum Lesen. Die Begeisterung, die ich dann erntete, überraschte mich völlig. Ja, ich hatte sehr großen Spaß beim Schreiben. Ja, die Geschichte gefiel mir auch selbst sehr. Aber sie war doch völlig überdreht und gar nicht so tiefschürfend, wie mein erstes Werk. Vielleicht sollte dieses Werk das Richtige sein, um mal dieses Self-Publishing auszuprobieren, von dem ich in der Zwischenzeit so viel gelesen hatte. Also stellte ich es auf neobooks ein und erwartete umgehend schlimmste Verisse. Die kamen aber erstaunlicherweise nicht. Im Gegenteil. Stattdessen trägt die erste Rezension den Titel „Volltreffer ! Fünf Sterne !“ und die zweite beginnt mit „Super Idee grandios umgesetzt“. Sollte mir da tatsächlich etwas Besonderes gelungen sein? Von dieser positiven Resonanz beflügelt, begann ich, mich voll ins Self-Publishing und die Vermarktung meines Werkes zu stürzen. Eine spannende und faszinierende Welt eröffnete sich mir.
Plötzlich wurde ich als Autorin bezeichnet. Die örtliche Presse druckte nicht nur meine Pressemitteilung ab, sondern berichtete auf der Titelseite über mich. Die ersten Blogger, die ich um Rezensionen gebeten hatte, berichteten ebenfalls begeistert. Natürlich hatte ich auch von den Schwierigkeiten gelesen, die es bedeuten kann, das eigene Buch bekannt zu machen und Leser zu finden. Also versuchte ich, die Hoffnungen und Träume, die unweigerlich entstanden waren, nicht zu sehr in den Himmel schweben zu lassen. Aber ganz verhindern konnte ich sie nicht.
Doch es kam, wie ich es schon in vielen anderen Bereichen erlebt hatte, je höher ich meinen Kopf aus der Masse heraus reckte, desto größer wurde die Gefahr, dass mich Rückschläge trafen. Plötzlich erntete ich nicht nur Lob, sondern auch Kritik. Fachliche Kritik. Und wie ich mit großer Ernüchterung feststellen musste, auch berechtigte Kritik. Dazu kam die Erkenntnis, dass die Millionen Leser und Leserinnen nicht auf mein Werk gewartet hatten und kaum Kenntnis davon nahmen. Ich haderte und zweifelte.
Letztlich wurde mir aber klar, dass ich weder zurück kann noch will. Jetzt ist die Tür in eine faszinierende neue Welt weit geöffnet. Ich war hindurch gegangen und ein Umdrehen erscheint mir völlig abwegig. Ich will mehr. Meine ursprünglichen Befürchtungen, dass es nicht einfach werden würde, haben sich im Nachhinein bestätigt. Na gut. Aber nun habe ich Blut geleckt und eine Vorstellung, wie ich mich verbessern kann. Ich weiß, was zu tun ist und Dank der vielen tollen und hilfreichen Kontakte, die ich in den letzten Monaten knüpfen konnte, kenne ich auch Menschen, die mir helfen können. Nun arbeite ich mit meiner Lektorin am nächsten Teil meiner Rausgekickt-Reihe. Denn wenn auch selbst die abgemilderten Hoffnungen und Träume noch nicht erfüllt sind, so hat sich doch eines bestätigt: Ich bin auf dem richtigen Weg.
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