#webseidank: Das Gute am Web und was das mit Wien zu tun hat

#webseidank: Das Gute am Web und was das mit Wien zu tun hat
Internet Leben 2 Kommentare

Das Web mit all seinen Facetten und Möglichkeiten ist aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Dabei gibt es durchaus Menschen in meinem Umfeld, die nur sehr wenig mit den neuen Technologien zu tun haben und mich manches Mal genauso skeptisch und irritiert betrachten, wenn ich von meinen Erlebnissen im Web berichte, wie ich sie mustere, wenn sie im Telefonbuch blättern, statt einen Namen zu googeln. Für sie ist das Web gefährlich, böse und undurchschaubar. Für mich ist es eine unendliche Quelle großartiger Möglichkeiten und am besten kann ich dies an meinen Besuchen in Wien erläutern.


Es geht um das Menschliche


Animiert zu dieser Betrachtung hat mich Annette Schwindt, die in ihrem Blog zu einer Blogparade zum Thema »Was hat das Web Dir Gutes gebracht?« aufgerufen hat. Beim Lesen dieses Artikels musste ich spontan an den Februar 1996 denken. Ich lag im Krankenhaus. Sechs Wochen waren es schon und ich hatte mehrere Operationen hinter mir. Nun war ein Ende in Sicht. Da flatterte mir ein Brief der Lufthansa zu, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich viele Punkte gesammelt hätte und ich mir einen Freiflug in eine Stadt aussuchen könnte. Ich dachte mir, es wäre eine gute Idee, mir nach diesem langen Krankenhausaufenthalt einen Kurzurlaub in einer spannenden Stadt zu gönnen. Ich entschied mich für Wien.

In den Anfängen des Internets


Technisch gesehen gab es zu der Zeit das Internet zwar schon, aber es war bei weitem noch nicht so ins tägliche Leben eingedrungen. Von Social Media sprach damals noch niemand und um etwas zu suchen, nutzte man Yahoo, denn Google gab es meines Wissens noch gar nicht. Der Austausch fand noch nicht via Facebook statt, sondern man ging in Foren. Zum damaligen Zeitpunkt war CompuServe der führende Anbieter und der bot jede Menge Foren zu allen möglichen Themenbereichen an. Da lag ich also in meinem Krankenbett und da ich in der IT arbeite, war ich damals schon gut ausgestattet, so dass ich ein Laptop am Krankenbett hatte. Natürlich gab es noch kein W-Lan im Krankenzimmer. Stattdessen hatte ich ein Modem und die Telefondose im Krankenzimmer aufgeschraubt, um mich dort anklemmen zu können. Was im Übrigen den Chefarzt damals sehr begeistert hat. Doch darüber konnte ich mich in CompuServe einwählen. So suchte ich dort nach Foren zum Thema Österreich und Wien. Denn ich hatte zwar einen Flug nach Wien, aber weder ein Zimmer noch eine Idee, was ich dort alleine machen sollte.

Wien und das wahre Interneterlebnis


Tatsächlich wurde ich fündig. Ich lernte gleich einige Wiener kennen. Unter anderem auch einen Hotelbesitzer, der mir ein Zimmer anbot. Wir kommunizierten schon vom Krankenbett aus und als ich dann schließlich in Wien landete, empfingen mich dort mehrere Menschen mit Fähnchen. Der Hotelbesitzer machte mir in den folgenden Tagen jeweils Vorschläge, was ich tagsüber unternehmen könnte und so bekam ich ganz besondere Einblicke in die Stadt. An den Abenden trafen sich immer einige Leute und nahmen mich mit in die verschiedenen Lokalitäten. Es waren unvergessliche Tage in Wien.

Zweimal Vera und wieder Wien


Ziemlich genau zwanzig Jahre nach diesem Erlebnis werde ich nun wieder nach Wien fliegen. Anfang August ist es soweit. Und wieder werde ich dort Menschen treffen, die ich über das Web kennengelernt habe. So werde ich dort Tom Oberbichler in natura kennenlernen, der mich erst vor Kurzem für seine Podcastreihe interviewt hat. Besonders freue ich mich aber auf ein Treffen mit Vera Nentwich. Nein, es wird keine Reise in mein Ich und ich habe auch keine schizophrenen Tendenzen. Es handelt sich tatsächlich um noch eine Vera Nentwich und die ist Opernsängerin in Wien.

Ein E-Mail von mir selbst


Es kommt schon mal vor, dass man E-Mails bekommt, bei denen der eigene Name als Absender erscheint. Dabei handelt es sich im Regelfall um Spam. Das dachte ich auch vor drei Jahren, als ich ein solches E-Mail erhielt. Doch es stellte sich heraus, dass es kein Spam war. Es war ein Glückwunsch zu meinem Namenstag, von dem ich noch gar nicht wusste. Absenderin war meine Namensvetterin, die sich beim Googeln ihres Namens immer gewundert hatte, dass da eine andere Vera Nentwich mit unzähligen Einträgen auftauchte. Seitdem haben wir regelmäßigen E-Mail-Kontakt und als ich nun darüber nachdachte, mal wieder Wien zu besuchen, habe ich gleich nach der Möglichkeit eines Treffens gefragt. Ich bin sehr glücklich darüber, dass es klappt und wir uns im August persönlich kennenlernen werden. Zweimal Vera Nentwich in Wien. Was für eine Geschichte.

So ist Wien für mich ein Synonym für die schönen Seiten des Internets. Diese lassen mich die Trolle, Motzer, Dumpfbacken und Provokateure vergessen, die in der Anonymität des Netzes an die Oberfläche gespült werden. Vielleicht ist es ja sogar gut, dass sie nun sichtbar werden und nicht im Verborgenen ihre kranken Gedanken ausleben. So können wir wenigstens reagieren. Wenn wir uns dabei dann an die vielen schönen und menschlichen Seiten des Webs erinnern, werden wir sie sicher auch im Zaum halten können.


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2 Kommentare #webseidank: Das Gute am Web und was das mit Wien zu tun hat
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  • Danke :-)

    Vielen Dank fürs Mitmachen bei unserer Blogparade. Komme gerade selbst aus dem Krankenhaus (daher die verspätete Rückmeldung) und werde sobald möglich Verlinkung und Weitersagen in Angriff nehmen. Viel Spaß in Wien! :-)