Liebe auf den ersten Blick – der Buchtitel

Liebe auf den ersten Blick – der Buchtitel
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Es sind Bruchteile von Sekunden, die darüber entscheiden, ob jemand dein Buch in die Hand nimmt oder es im Online-Shop anklickt. Du musst den Betrachter sofort erreichen und in ihm Erwartungen wecken. Das erste Mittel, das du hast, dies zu erreichen, ist der Titel des Buches. Ich stehe nun vor der Entscheidung, wie mein kommendes Buch heißen soll, und nehme dich mit auf die Reise zum optimalen Buchtitel.


Wenn nur nicht die Handlung stören würde


Seit Monaten habe ich an meinem Werk geschrieben, Spannungsbögen erbaut, Wendungen komponiert und Beziehungen geflochten. Gerade erst habe ich das Ergebnis zur Lektorin gesendet und jeder Bruchteil des Handlungsablaufs ist in mir präsent. Nun soll ich über den Titel des Buches entscheiden und alle diese Details aus dem Buch hindern mich daran. »Aber der Titel muss doch zum Buch passen«, wirst du einwerfen, und du hast Recht. Doch der Titel muss keinen Einblick in die Handlung geben. Das Einzige, was er muss, ist, eine passende Emotion zu erzeugen. Titel, die sich hauptsächlich auf die Handlung beziehen, sind zwar sachlich korrekt, aber überhaupt nicht emotional. Also lösen wir uns erst einmal von der Handlung.

Wie ist die wichtigste Emotion im Buch?


Wenn ich einen Thriller über einen skrupellosen Serienkiller schreiben würde, der seine Opfer köpft und ausweidet, wäre klar, was der Titel dieses Buches ausdrücken müsste: Grusel, Angst, Spannung. Meine Kollegin Astrid Korten ist gut darin. Ein Titel wie »Eiskalter Plan« erzeugt mit zwei Worten ein klares Bild und niemand wird erwarten, beim Lesen dieses Buches herzhaft lachen zu können. Kann man natürlich auch nicht.
Mein kommendes Buch wird der dritte Teil der Biene-Hagen-Krimireihe sein. Bei mir liegt es etwas anders, denn bei diesen Büchern darf herzhaft gelacht und ein Mörder gejagt werden. Die wesentlichen Emotionen, die beim Betrachter ausgelöst werden müssen, sind daher Spaß, Humor und Spannung.

Das Korsett der Reihe


Wenn man eine Reihe schreibt, kommt automatisch der Gedanke auf, den Titeln der einzelnen Bücher ein Konzept zu geben, das ihre Zusammengehörigkeit dokumentiert. Nika Lubitsch hat dies beispielsweise in genialer Weise gelöst, in dem in jedem Buch die Nummer vorkommt. Vom 1. Mann geht es zum 8. Kreis der Hölle.

Beim ersten Teil meiner Reihe habe ich lange darüber nachgedacht, ob ich meinen Titel ein solches Gerüst gebe. Aber da Nika die geniale Idee schon geklaut hat, und mir alle anderen Ideen als sehr konstruiert erschienen, habe ich mich davon freigemacht. In erster Linie muss der einzelne Titel funktionieren. Wenn er dann auch noch zur Reihe passt, ist es schön. So entstand der Titel »Tote Models nerven nur«.

Mittlerweile weiß ich, dass dies eine gute Entscheidung war, denn ich habe schon unzählige Male gesagt bekommen, dass der Titel neugierig machen würde, und genau dies ist die Kernfunktion eines Titels. Dennoch stand ich bei der Entscheidung zum zweiten Titel der Reihe wieder an dem Punkt und überlegte, ob ich einen Titel finden könne, der einen klaren Bezug zum ersten Teil hat. Wieder waren alle Ideen, die daraus entstanden, nicht überzeugend. Ich löste mich erneut von diesem Korsett der Reihe und wählte einen Titel, der einfach passte. Es wurde »Liebe vertagen, Mörder jagen«.
Nach diesen zwei Titeln sind aber Gemeinsamkeiten erkennbar, die ich nun bei der Wahl des dritten Titels nicht brechen sollte.
  • Jeder Titel hat vier Wörter
  • Der Sprachrhythmus ist ähnlich
  • Ernste Begriffe, wie Tod, Mord, werden in ungewöhnlichen Kontext gesetzt

Der Pitch ist die Grundlage


Der Rahmen ist nun durch die Reihe gegeben. Fehlt noch der Inhalt. Der kommt aus der Geschichte. Ich denke dabei aber nicht an die Details der Handlung, sondern an diesen einen Satz, der Geschichte beschreibt, den sog. Pitch. Diesen Satz, dem ich Jemandem sagen würde, wenn ich nur Sekunden hätte, mein Buch zu beschreiben.
Doch der Pitch ist nicht unbedingt wörtlich zu nehmen, er ist mehr die Basis, von der aus die Ideen entwickelt werden.

Im ersten Teil war es der Tod des Models Judith, der alles ins Rollen brachte. Im zweiten Teil war es die Enttäuschung über die heiße Liebesnacht, die nicht kam, die der Auslöser war. Was ist also dieser Auslöser im dritten Teil? Hier ist er:
Um Alle zu überzeugen, dass der Traumjob der richtige ist, muss Biene den Mörder eines Rentners finden.
Davon ausgehend kann ich nach Begriffen suchen, die passen. Natürlich müssen Mord oder Tod im Titel vorkommen. Doch dazu gesellen sich Begriffe, wie Traumjob, Beruf, Erfolg, Zweifel, Skepsis, Rentner, Opa usw.

Gerüstet mit diesen Informationen habe ich Tag und Nacht Ideen geboren, aufgeschrieben, gestrichen, mit Freunden diskutiert, wieder notiert. Herausgekommen ist eine Liste von drei Titeln.
Es ist vollbracht!
Die Titelentscheidung ist gefallen und bald schon werde ich sie mitteilen. Stay tuned!



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