Geistesblitz einer Autorin

Geistesblitz einer Autorin
Schicksal Blaue Vögel Weiße Sterne 2 Kommentare

Zuerst ist der Geistesblitz. Diese eine Idee, aus der man unbedingt eine Geschichte machen muss. Bei mir war es, als auf der Straße plötzlich vor mir ein Traktor einbog und mich zwang, mein Fahrtempo zu verringern. Auf Lesungen erzähle ich immer über den Auslöser, der zu den Rausgekickt-Romanen führte. Aber nicht alle können zu meinen Lesungen kommen. Ihnen fehlt diese Vorgeschichte. Es wird also Zeit, sie hier einmal zu erzählen.

Vom Traktorfahrer zu Schicksalsboten

Ich ärgerte mich über den langsamen Traktor und versuchte einige Male vergeblich, ihn zu überholen. Ich musste mich mit der Situation abfinden und langsam hinter dem Gefährt herzuckeln.
Während ich hinter dem Traktor herfuhr, kam mir der Gedanke, dass das Schicksal vielleicht seine Hände im Spiel haben könnte. Wollte es mir etwas sagen? „Halte inne, Vera!“ vielleicht. Das machte Sinn, denn schließlich war ich nun recht entspannt. Aber wie würde das funktionieren? Müsste dann nicht der Traktorfahrer in den Plan des Schicksals eingeweiht sein? Vielleicht war er sogar ein Mitarbeiter des Schicksals. Dieser Gedanke gefiel mir. Mitarbeiter des Schicksals, die unter uns agierten, um uns wichtige Hinweise zu geben. Schicksalsboten eben.

Doch wer denkt bei Schicksalsboten nicht gleich an Engel? Aber zu dem Bild, das dort auf der Landstraße vor meinem inneren Auge entstand, passte kein Engel. Nein, dieser Traktorfahrer war kein himmlisches Wesen. Es war ein Arbeiter, der einfach seinen Job machte. Einen sehr frustrierenden Job, wie mir schnell klar wurde.

Frustrierte Arbeiter

Ich musste an Kneipengespräche von frustrierten Arbeitern denken. Wie würde es wohl sein, wenn diese Schicksalsarbeiter nach Feierabend mit Kollegen ihr Leid austauschen würden? Denn das ihr Job nicht einfach sein würde, war mir spätestens dann klar, als von hinten ein BMW heranraste und sowohl mich als auch den Traktor in einem waghalsigen Manöver überholte und einen entgegenkommenden Fahrer zum Bremsen zwang. Der Fahrer hatte den Wink definitiv nicht verstanden. Ich hatte mich ja auch schon oft in ähnlichen Situationen über die Verzögerung geärgert und nicht im Entferntesten an einen Wink gedacht. Das muss für die Schicksalsboten ein ständiges Ärgernis sein.

Wer würde nicht ausflippen?

Rausgekickt: Blaue Vögel
Rausgekickt: Blaue Vögel
Ständig mitanzusehen, wie die eigene Arbeit ins Leere läuft und von Menschen böswillig sabotiert wird, muss einfach jeden wütend machen. Ich sah Schicksalsboten mit angestauten Aggressionen vor mir, wie sie beim Feierabendbier Rachepläne schmiedeten. Es einmal so einem Menschlein so richtig heimzahlen, davon träumten sie sicher. Die Idee war geboren und ich konnte es kaum erwarten, mit dem Schreiben zu beginnen.

Wink des Schicksals

Wenn ich nun die zwei Jahre zurückdenke und sehe, was aus diesem ersten Geistesblitz entstanden ist, dann wird mir mehr und mehr klar, dass mir der Traktorfahrer vielleicht einen ganz anderen Wink geben wollte. Womöglich gab es den übergeordneten Plan, mich zum Schreiben zu bewegen. Auf jeden Fall muss ich ihm dankbar sein. Er hat mit seinem Einbiegen mein Leben grundlegend verändert.

Simone vom Bücherparadies hat übrigens ein Interview mit den Schicksalsboten geführt, das einen weiteren Einblick in ihr Denken und Fühlen gibt.


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2 Kommentare Geistesblitz einer Autorin
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  • Geistesblitz

    War doch ein toller Geistesblitz. Verfolge Deinen Blog schon lange und finde ihn richtig toll!!! Mach einfach weiter so :-)

    • Geistesblitz

      Der Geistesblitz war wirklich prima. Hat Einiges in Bewegung gesetzt. Vielen Dank für's Folgen und Kommentieren. Ist schön, wenn es ab und zu eine Rückmeldung gibt und man nicht so das Gefühl hat, man schreibt nur für sich und keiner sieht's.