Du kommst hier nicht rein! Verschlossene Türen für Selfpublisher

Du kommst hier nicht rein! Verschlossene Türen für Selfpublisher
Self-Publishing 22 Kommentare

Vor ziemlich genau vier Jahren habe ich meine ersten vorsichtigen Schritte ins Selfpublishing gemacht. Seitdem hat sich viel verändert. Selfpublishing ist ein fester Bestandteil des Buchmarktes und es haben sich viele Türen geöffnet. Bei meiner Tour durch den Buchhandel habe ich beispielsweise keine Ablehnung erfahren, nur weil ich Selfpublisherin bin. Das war vor vier Jahren noch anders. Ist also alles prima?


Eigentlich wollte ich genau so einen Artikel schreiben und feststellen, dass viel erreicht sei. Für mich persönlich fühlt es sich ja tatsächlich auch so an. Ich habe mich in den letzten vier Jahren Stück für Stück in den Buchmarkt gekämpft und einige Hürden eingerissen. Meine Strukturen stehen. Dann traf ich auf einer Lesung einen erfolgreichen Verlagsautor, dem mein Buch gefiel. Er nahm es in die Hand, drehte und wendete es und fragte, in welchem Verlag ich sei. Ich antwortete, dass ich Selfpublisherin sei. Er sah mich an und sagte: »Aber das sollte man doch nicht tun.«
Nun war es an mir, verdutzt zu gucken und nach dem Warum zu seiner Aussage zu fragen. Er führte es aber nicht weiter aus. Aber machen wir uns nichts vor. Es gibt einen Teil des Literaturbetriebs, der sich für etablierter hält und bei dem Selfpublishing nach wie vor Naserümpfen auslöst. Mir ist dies bewusst geworden, als ich die Idee hatte, mich aktiver mit anderen Autoren zu vernetzen, und nach entsprechenden Vereinigungen suchte.

Sind Selfpublisher keine Schriftsteller?

Ich lernte, dass ich bei jeder in Frage kommenden Vereinigung erst einmal ins Kleingedruckte schauen und nachlesen muss, ob ich überhaupt erwünscht bin. Der größte Verband dieser Art, der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) führt beispielsweise in seinen Bedingungen aus:
Mitglied können alle haupt- und nebenberuflichen deutschsprachigen Autorinnen und Autoren, Übersetzerinnen und Übersetzer sowie alle auf dem Gebiet der Bundesrepublik lebenden fremdsprachigen Schriftsteller werden, die ihr fachliches Können durch:
- eine (nicht selbstfinanzierte) Buchveröffentlichung,
[...]
nachgewiesen haben.Mitglied im VS werden
Da stellt sich die Frage, ob selbstpublizierende Schriftsteller ihr fachliches Können nicht nachweisen, wenn sie Bücher veröffentlichen. Ist ein Buch per se schlechter oder gar nicht einmal fachliches Können, wenn es im Selfpublishing erscheint? Im Falle des VS finde ich diese Regelung besonders befremdlich, da dieser Verband Teil der Gewerkschaft Verdi ist. Diese müsste doch erst recht ein Interesse haben, Selfpublisher zu vertreten. Schließlich sind diese den Marktgrößen, wie Amazon, ganz direkt ausgesetzt und die sind doch so etwas wie die natürlichen Feinde der Gewerkschaften.
Na ja, dachte ich mir, als Autorin heiterer Krimis könnte ich mich ja mal bei den Fachkollegen umsehen. Eine sehr bekannte Vereinigung ist Das Syndikat. Aber auch dort steht in den Bedingungen:
Das SYNDIKAT nimmt Kriminalschriftstellerinnen und Kriminalschriftsteller als Mitglieder auf, die mindestens eine selbstständige Veröffentlichung als Print- oder E-Book-Ausgabe in einem kommerziellen Verlag vorzuweisen haben.Mitglied im SYNDIKAT werden
Ist ein Krimi weniger Krimi, wenn er im Selfpublishing erschienen ist? Sind die Morde weniger tödlich? Warum also diese Regelung?
Aber nicht nur Verbände grenzen Selfpublisher schon mal aus. Ich schaue immer mal wieder, ob es interessante Wettbewerbe und Ausschreibungen gibt.

Kein Preis für Selfpublisher

Tatsächlich gibt es auch dort im Kleingedruckten Aussagen, die mich als Selfpublisherin ausgrenzen. Der DELIA-Literaturpreis soll beispielsweise die deutschsprachige Liebesromanliteratur fördern. Na, das ist doch quasi ein Heimspiel für das Selfpublishing. Dachte ich. Die Organisatoren von DELIA sehen dies aber anscheinend anders. Dort steht in den Bedingungen:
Ausgeschlossen vom DELIA-Literaturpreis sind:
[...]
-Bücher, die als Book on Demand oder bei anderen Druck- oder Dienstleistungsunternehmen bzw. im Selbstverlag (Selfpublishing) erschienen sind
-E-Books, die bei KDP, Tolino Media, neobooks oder in anderen Dienstleistungsunternehmen bzw. im Selbstverlag (Selfpublishing) erschienen sind
[...}DELIA-Literaturpreis 2017 - Ausschreibung
Die haben sich sogar die Mühe gemacht, die diversen Plattformen namentlich auszuschließen. Dabei setzt gerade neobooks als Tochter von Droemer-Knaur sehr auf Liebesromane.

Hürden einrennen oder ignorieren?

Wenn ich nicht zufällig nach passenden Verbänden gesucht hätte, wären mir diese Diskriminierungen nicht aufgefallen. Man könnte sie also einfach weiter ignorieren, zumal es auch viele Vereinigungen und Preise gibt, die Selfpublishern ebenfalls offenstehen. Also alles gut?
Nein, ich denke nicht. Diese Beispiele zeigen ein immer noch weit verbreitetes Denken, dass Selfpublishing anrüchig und minderwertig ist. Sie haben in etwa die gleiche Aussage, wie die früher verbreitete Meinung, Frauen könnten nicht hart arbeiten. Dies ist eine Diskriminierung und Herbwürdigung der engagierten Arbeit vieler Autorinnen und Autoren. Ich bin nicht sicher, ob alle der so verehrten Verlagsautoren in den letzten vier Jahren so viel Herzblut und Engagement in ihre Bücher gelegt haben, wie ich es getan habe.

Nur noch ca. 25% der Selfpublisher geben laut der letzten Studie an, selbst zu publizieren, weil sie keinen Verlag gefunden haben. Der Rest macht dies als bewusste Entscheidung. Man muss sich nun nicht jeden Tag über das verbohrte Denken von Teilen des Literaturbetriebes aufregen, aber man sollte auch nicht aufhören, dagegen zu arbeiten. Zum einen muss die Qualität von selbstverlegten Büchern überzeugen und zum anderen sind Initiativen, wie der Selfpublisher-Verband, ein guter Anfang. Es ist auf jeden Fall Bewegung im Markt.  Mal sehen, was ich nach weiteren vier Jahren schreiben kann.


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22 Kommentare Du kommst hier nicht rein! Verschlossene Türen für Selfpublisher
Hinterlasse deinen Kommentar

  • Verschlossene Türen für SPler

    Es gibt auf dem Buchmarkt natürlich Vorurteile, wie es sie überall gibt. Das sollte uns aber nicht daran hindern, einmal selbstkritisch zu fragen, woran die Ablehnung von Selfpublishern bei einigen liegt. Es gibt herausragende SP-Bücher, aber die Freiheit, jedem zu ermöglichen, ein Buch zu veröffentlichen und die wir begrüßen, macht natürlich skeptisch. Wenn es keine Hürden mehr gibt, wie z.B. einen Verlag, dann sinkt eben der Anspruch. Es gab in FB schon diverse Diskussionen über die Qualität von SP-Produkten, und wie oft habe ich da gelesen, ist mir egal, ob Rechtschreibfehler drin sind, Hauptsache, es ist eine tolle Story. Nur leider sind die Stories meistens nicht so toll, wenn man nicht einmal die Elementarkenntnisse eines Autors beherrscht. Man kann es drehen und wenden, wie man will, die SP-Bücher haben aus den o.a. Gründen immer noch einen schlechteren Ruf, worunter natürlich die wirklich guten Exemplare leiden.

    Die meisten SPler sind doch immer noch ganz happy, wenn sich endlich ein Verlag ihrer erbarmt. Sie selbst sind es doch, die aus ihrer Eigenmarke am liebsten aussteigen wollen, so als würde ein Verlag ihnen den Ritterschlag verpassen. Wenn sie aber von ihrem Weg selbst nicht überzeugt sind, wie sollten es andere sein?

    Wollen wir nun Qualitätskontrollen einführen? Nein! Das hieße, die gewonnene Freiheit wieder zu beschneiden, außerdem ist es undurchführbar. Was lernen wir daraus? Freiheit bedeutet immer ein Risiko. Für alle Beteiligten. Freiheit hat einen goldenen Schimmer, aber wenn man sich in ihr bewegen und behaupten will, muss man Mut, Durchhaltevermögen und Gelassenheit aufbringen. Die Beispiele, die du gebracht hast, liebe Vera, werden eines Tages von allein verschwinden, so funktionieren die Regeln. Oder es tritt etwas ein, das die SPler wieder in den Untergrund schickt. Wir wissen es nicht. Es ist der Markt, der die Dinge regelt.

    Wir haben eine freie Marktwirtschaft, und die ist für viele ein Gewinn, doch nicht für alle. Was mich betrifft, ich genieße die guten Zeiten, wo man noch mit seinen Büchern ohne Klinkenputzen bei Verlagen an die Leser herankommen und Geld verdienen kann. Die Überheblichkeit einiger Vereine muss ich dabei genauso ertragen wie den sinkenden Anspruch an Qualität. Aber ist der überhaupt gesunken? Ich glaube, er war nie besonders hoch, nur die Anspruchslosen haben heute mehr Auswahl.

    • Verschlossene Türen für SPler

      Hallo Jutta,

      du hast vollkommen recht in deiner Zusammenstellung der Situation. Allerdings ist die generelle Ablehnung von Selfpublishern letztlich ein pauschales Vorurteil, sie würden immer nur schlechte Bücher schreiben, und damit eine Diskriminierung.

      Im Falle des VS scheint sich da aber etwas zu bewegen, wie ich erfahren habe. Sie wollen sich wohl den Selfpublishern öffnen.

      Herzlichen Gruß,

      Vera

      • Mitgliedschaft im VS

        Liebe Vera,

        was die Mitgliedschaft des VS betrifft hast du recht: Da tut sich was. Ich bin z.B. – als bewusste und ausschließliche Selfpublisherin – Mitglied im VS Rheinland-Pfalz. Dort hat man sich für uns bereits geöffnet. Ich hoffe, dass die anderen Regionalverbände dem Beispiel folgen.

        Lieben Gruß

        Kari

        • Mitgliedschaft im VS

          Hallo Kari,

          schön zu hören, dass sich etwas bewegt. Wie sind denn so die Gespräche im Verband zum Thema Selfpublishing? Gibt es noch Naserümpfen?

          Herzlichen Gruß,

          Vera

    • Verlagsautoren

      Hallo, vielleicht sollten ein paar von uns einen Verlag gründen und dort je einen Band veröffentlichen - falls - ja falls - wir unbedingt Vereinsmitglied werden wollen.

      Anne Poettgen

      • Verlagsautoren

        Hallo Anne,

        mit dem Gedanken, ein Gewerbe als Verlag anzumelden, habe ich mich schon beschäftigt. Vielleicht kommt es irgendwann wirklich soweit. Bei den Barsortimentern werde ich bereits als "Nentwich Verlag" geführt. Das zeigt aber, wie absurd diese Unterscheidungen der genannten Vereinigungen eigentlich sind. Die denken noch in Grenzen, die es gar nicht mehr gibt.

        Herzlichen Gruß,

        Vera

      • Traurig

        Hallo & herzlichen Dank für den Einblick. Man sollte wirklich meinen, dass gerade Verbände da inzwischen offener agieren.

        Ich finde das sehr schade, vor allem, weil ich sicher bin, dass man die Literaturwelt noch mehr bereichern könnte, wenn man sich nicht gegenseitig Steine in den Weg werfen würde. Ich habe das beim Literaturcamp stark gemerkt. Ganz unerwartet war ein hoher Anteil an SelfpublisherInnen dabei und es war wirklich unglaublich, wie engagiert sich alle in die Sessions geworfen haben oder noch besser: Ihre Erfahrungen und ihr Wissen in eigenen Sessions teilten.

        Wir könnten alle so viel voneinander lernen, wenn wir es zuließen. Ich hoffe, dass beim nächsten Literaturcamp die VerlagsautorInnen mit den SelfpublisherInnen ebenso an einem Tisch sitzen wie auch die BloggerInnen und die Journalisten des Feuilleton.

        Liebe Grüße

        Susanne

        • Traurig

          Hallo Susanne,

          da hast du völlig recht, die beiden Welten können sich sehr bereichern. Wenn ich mit Verlagsautoren rede, komme ich manchmal zum Eindruck, sie leben in so einer abgesonderten Welt und haben gar keine richtige Vorstellung darüber, wie der Markt funktioniert. Als Selfpublisherin bin ich da viel tiefer drin. Dies könnte für Verlage im Übrigen auch sehr nützlich sein. Abschottung macht wirklich keinen Sinn.

          Herzlichen Gruß,

          Vera

        • Warum die Hürden?

          Liebe Vera, liebe Kollegin,

          Syndikatsmitglied hier. Und um das gleich klar zu stellen: Ich spreche nicht für das Syndikat, dafür haben wir das Sprecherteam. Und ich darf auch keine Interna aus Gremien ausplaudern, was folgt ist also komplett meine äußerst persönliche Meinung.

          Ich bin Schriftsteller, Du bist Schriftstellerin. Ich verbreite meine Bücher über Verlage, Du als Selfpublisherin. Was unterscheidet uns also? Genau, unsere Vermarktungsstrategie. Ich kenne Deine Bücher nicht (und ich vermute, Du meine auch nicht? ;-) ) also kann ich ehrlich nicht sagen, ob ich sie mag oder nicht, aber ich käme nicht im Traum auf die Idee, per se anzunehmen dass ich besser schreibe als Du, nur weil ich anders vermarkte. Das ist absurd. Ich habe zu dem Thema selbst schon gebloggt, zum Beispiel hier ( https://schreckenbergschreibt.com/2013/05/18/schreckenbergschreibt-selbstachtung-bitte/ ).

          Und was vielleicht viel wichtiger ist: Ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. Diejenigen Verlagsschriftsteller, die auf Euch Selfpublisher herunterschauen und glauben (warum auch immer) etwas Besseres zu sein gibt es natürlich. Ebenso wie erfolglose Selfpublisher, die die Schuld für ihren Misserfolg nicht in ihren Geschichten, sondern in der bösen Außenwelt und dem feindlichen "System" suchen. Beide sind laut, beide nicht ernst zu nehmen. Und was den "Literaturbetrieb" betrifft... Ich weiß nicht, wie tröstlich oder ernüchternd das für Dich ist, aber als Autor von Krimis und Phantastik der in eher kleinen Verlagen veröffentlicht fühle ich mich auch nicht unbedingt auf der Sonnenseite dieses Betriebes. :-D

          Warum schreibe ich das? Vielleicht, um Dir von der vermeintlich anderen Seite zu bestätigen: Ja, Du hast Recht: Es ist auf jeden Fall Bewegung im Markt. Immer. Die seltsame Grenze entlang der Vermarktungsmethode weicht auf, diejenigen, die sich daran klammern, auf beiden "Seiten", klammern sich, so vermute ich, daran, weil sie es für ihre Selbstdefinition (seriöser Literaturschaffender / fortschrittlicher E-Bookpartisan ) brauchen.

          Und was das Syndikat betrifft: Das ist ein wahnsinnig homogener Haufen, in jeder Hinsicht. Wir diskutieren viel und kontrovers, auch zum Thema Selfpublisher, soviel kann ich verraten, denke ich*. Bei uns ist vieles permanent im Fluss, weil das Syndikat, wie ich es erlebe, eben kein elitärer Club etablierter Literaturbeutel ist, sondern ein sehr lebendiges Gemisch der unterschiedlichsten kreativen Köpfe. Und der großen Mehrheit der Mitglieder geht es nicht darum, irgendwen draußen zu halten, sondern darum zu klären, wer wir eigentlich sind und sein wollen.

          Alles Gute, viel Erfolg. Und bis bald.

          Michael

          * Auch hierzu ein Beitrag aus meinem Blog: https://schreckenbergschreibt.com/2014/06/04/schreckenberglebt-criminale-2014-wer-wollen-wir-sein-und-wieviele/

          • Fremdworte

            Ja... ein wahnsinniger INhomogener / heterogener Haufen, meine ich. :-D

            • Warum die Hürden?

              Hallo Michael,

              toll, dass du als Syndikatsmitglied den Weg zu meinem Blog gefunden und auch deine Anmerkung hinterlässt. Danke dir dafür. Wenn ich deine Blogbeiträge richtig interpretiere, dann sind wir anscheinend gar nicht soweit auseinander, wenn überhaupt. Das macht Hoffnung. Es ist also alles in Bewegung, aber es schadet ja auch weiterhin nichts, gelegentlich mal an den Grenzen zu rütteln.

              Herzlichen Gruß,

              Vera

            • Ein Problem für Verlage

              Dass Self-Publisher ausgeschlossen werden, hat natürlich einen handfesten, kommerziellen Hintergrund:

              Self-Publisher stehen für die völlige Umwälzung des gesamten Verlagssystems und der Buchwelt. Wir sind halt eine Bedrohung, denn in letzter Konsequenz stehen wir für Autoren, die keinen Verlag mehr brauchen. Wir machen entweder alles selbst oder bezahlen für professionelle Dienstleistungen, und produzieren trotzdem Bücher, die Leser von Verlagsbüchern nicht unterscheiden können.

              Und damit hat der Literaturbetrieb natürlich ein Problem. Deswegen wird ja auch so gegen Amazon gewettert - es geht gar nicht um die Bewahrung der deutschen Literatur vor den schrecklichen Self-Publishern, sondern um den schnöden Mammon. Vielleicht noch nicht jetzt, aber in Zukunft durchaus.

              • Ein Problem für Verlage

                Hallo Hannah,

                du hast absolut recht, es sind natürlich handfeste kommerzielle Interessen, die eine Rolle spielen. Allerdings sollten sich Autorenverbände und Literaturpreise dem nicht unterordnen. Man kann also nie genug auf diese Mißstände aufmerksam machen.

                Herzlichen Gruß,

                Vera

              • Nicht überraschend...

                "Es gibt einen Teil des Literaturbetriebs, der sich für etablierter hält und bei dem Selfpublishing nach wie vor Naserümpfen auslöst."

                Es ist leider nicht überraschend, dass der kleine Teil, dem die althergebrachte Marktgestaltung Vorteile bringt, einer Änderung eben jener Gestaltung nicht gerade aufgeschlossen gegenüber stehen.

                Die Mystifizierung des Buches als Kulturgut wird da nur zu gerne als Rechtfertigung herangezogen.

                • Nicht überraschend...

                  Hallo Martin,

                  wahrscheinlich hast du recht und es ist nicht wirklich überraschend, dass es noch Ausgrenzungen gibt. Aber es ist an der Zeit, diese deutlich in Frag zu stellen.

                  Herzlichen Gruß,

                  Vera

                  • Klar

                    Hier haben wir keinen Dissens.

                    Ein Unterschied ist auch, dass ein Self-Publishing-Autor sich mit ganz profanen Problemen herumschlagen muss: Marketing, Preisfindung, Lektorat, Kosten/Nutzen-Rechnung, etc.

                    Aus Sicht des klassischen Autors betreibt ein Self-Publisher ein Geschäft, keine Kunst. Das lässt er/sie gerne raushängen.

                    Der pyschologische Hintergrund ist hier aus meiner Sicht: die wissen, dass sie das selber nicht können und haben Angst davor. Die Abwertung ist eine Form des Angst-Beißens :-(.

                    Ich habe mal mit "klassischen" Autoren gesprochen und die gefragt, was deren Geschäftsmodell und Zielmarkt ist. Hui, da bekam ich was zu hören. Wenn ich die beschuldigt hätte, ihre Erstgeborenen zu verspeisen, das hätte weniger Aufstand gegeben....

                • Du kommst hier nicht rein! Verschlossene Türen für Selfpublisher

                  Ich sehe es ähnlich wie Michael, dem Syndikatsmitglied, dass es diese Randgruppen auf beiden Seiten gibt: die einen, welche generell die Nase rümpfen und die anderen, die tatsächlich keine Qualität abliefern.

                  Doch die große Mehrheit sehe ich da in einem sich bewegenden, offenen Austausch und Aufeinanderzugehen.

                  Die Krux ist im Grunde die, dass es Autor / Schriftsteller kein Ausbildungsberuf ist, so dass sich eben jeder Autor nennen darf, egal was er kann oder nicht.

                  Andere freie Berufe, Journalisten, Detektive, Heilpraktiker u.a.m. haben längst darauf reagiert und eine Ausbildung mit Prüfung und Zertifizierung über ihre Verbände organisiert. Um genau diesen Qualitätsnachweis zu liefern. Um das Ansehen ihres Berufsstands zu stärken, das natürlich leidet, wenn jeder ihn ausüben kann und das von heute auf nachher. Und mit dem Ansehen sinken die Preise.

                  Als Verbraucher achten wir ja auch bei den meisten Produkten auf irgendwelche Qualitäts- und Gütesiegel, erst recht, wenn man dem Produkt von außen nicht ansieht, wie gut es innen ist.

                  Und nun kommen eben viele Bücher auf den Markt, denen man nicht ansieht, wie gut sie geschrieben sind, von Leuten, die das Schreiben nicht lernen mussten.

                  Das heißt ja nun aber eben nicht, dass sie es alle nicht können. Natürlich nicht.

                  Aber es wäre auch blauäugig zu denken, dass trotz dieser kleinen Hürde nur solche Leute veröffentlichen, die sich zuvor ein paar Jahre um Handwerk, Stil und Weiterbildung bemüht zu haben.

                  Verlagsautoren haben das fast schon zwangsweise und wissen dann auch, warum das erste Werk so nicht funktioniert hat. Und wenn die sich über Selfpublisher ärgern, dann zum Beispiel deshalb, weil aus ihrer Sicht da eine Konkurrenz auf dem Markt unterwegs ist, Tiede Preise verdirbt und auch das Ansehen des Berufsstand Schriftsteller, weil sie so deutlich sichtbar machen, dass es heutzutage keine Kunst mehr ist, ein Schriftsteller zu sein. Und was keine Kunst ist, wird auch nicht gut bezahlt.

                  Die Luft für Verlagsautoren ist dünner geworden, der Wind rauer, das Karussell dreht sich viel schneller. Bücher werden viel rascher verramscht als noch vor Jahren, auch jahrelange Stammautoren können sich auf diesem Platz nicht ausruhen, die Werbung für Midlist-Autoren ist auf ein Minimum zusammengeschrumpft.

                  Nein, ich bettle hier nicht um Mitleid für Verlagsautoren. Aber nur wer beide Seiten kennt, kann aufeinander zugehen und das ist nötig. Denn die Selfpublisher-Szene hat ja auch einiges an verkrusteten Verlagsstrukturen aufgemischt, wofür man auch dankbar sein kann.

                  Zu lange hatten es Neuautoren viel zu schwer, einen Weg in die Öffentlichkeit zu finden. Nun haben sie sich selbst einen geschaffen und das ist gut so.

                  Und sie haben sich eine Menge Anerkennung errungen, denn auch wenn sie sich noch nicht gleichgestellt fühlen, werden sie doch nicht mehr mit Zuschussverlagen in einen Topf geworfen, kann man einen Weg in einen Verlag finden, auch wenn man Selfpublisher ist. Im Gegenteil, Verlage entdecken zunehmend auch deren Qualität des Selfmanagements, das den Markteinstieg als Neuautor begünstigen kann, erst recht natürlich, wenn der Selfpublisher schon eine Fangemeinde mitbringt. Was natürlich auch wiederum eine Kehrseite hat. Nämlich die, dass Verlage das gleich mal erwarten, auch von den bisherigen Verlagsautoren, also dass sie sich auch noch als Marketingexperten weiterentwickeln.

                  Doch genau hier findet dann auch die andere Vermischung statt. Immer mehr Verlagsautoren finden den Weg ins Selfpublishing und veröffentlichen gemischt. Das was keinen Verlag findet, geben sie selbst heraus. Wobei Selfpublishing eben auch eine tolle Möglichkeit ist, seine verramschten und vergriffenen Bücher weiter im Markt zu halten.

                  Die Bewegung findet also von zwei Seiten statt.

                  Verbände möchten unter ihrem Dach vor allem die vereinen, die sich ernsthaft mit ihrem Thema beschäftigen, dabei ist es natürlich ihr gutes Recht, diverse Begrenzungen zu setzen, um das eigentliche Anliegen nicht zu verwässern. Und wer nach nach außen Anerkennung und Gehör zu gewinnen möchte, muss gemeinsame Ziele finden und verfolgen können. Erst recht, wenn man politisch Einfluss nehmen will. Wenn Verlagsautoren andere Interessen verfolgen als Selfpublisher ist es natürlich klug, sie nicht in ihre Verbände aufzunehmen. Ist das nicht der Fall, dann sollte man das sicherlich überdenken. So wie man immer wieder die eigenen Statuten überdenken muss, inwieweit sie (noch) zeitgemäß sind.

                  Ich bin Mitglied bei den Mörderischen Schwestern, einem Verband von deutschsprachigen Krimibuchautorinnen (dem größten europaweit) und wir haben uns der ganzen Krimiszene geöffnet, bei uns muss man nicht veröffentlicht haben. Wir stehen allen Krimifans offen, aber bei uns muss man beispielsweise eine Frau sein. Auch das wird immer mal wieder überprüft und abgestimmt. Denn es gibt durchaus Argumente, die für eine Öffnung auch für Männer sprächen, doch bisher haben die Gründe, die dagegen sprechen, immer wieder gesiegt. Und auch das wird gelegentlich angefeindet.

                  Es sind aber eben immer die Mitglieder eines Vereins, die darüber bestimmen, wen sie dabei haben wollen. Und wer selbst einen Verein gründet, wird das sicherlich auch für mehr als angemessen halten.

                  Bei uns würdest du also nicht der Tür verwiesen :-)

                  VG

                  Rosemarie

                  • Du kommst hier nicht rein! Verschlossene Türen für Selfpublisher

                    Hallo Rosemarie,

                    danke für deine Ausführungen. Natürlich kann jede Vereinigung entscheiden, welche Mitgliedsvoraussetzungen gelten sollen. Aber der Ausschluß von Selfpublishern in vielen Bereichen ist schon auch ein Ausdruck der Skepsis und der Abwertung. Dies ist sicher nicht mehr zeitgemäß. Und im Sinne der Hilfestellung und stetigen Verbesserung der schreibenden Zunft ist es nahezu eine Pflicht, die Selfpublisher einzubinden.

                    Ich bin übrigens bereits seit drei Monaten Mitglied bei den Mörderischen Schwestern.

                    Herzlichen Gruß,

                    Vera

                    • Du kommst hier nicht rein! Verschlossene Türen für Selfpublisher

                      Und ich wusste es eigentlich auch, dass du bereits Mitglied bist, Asche auf mein Haupt ...

                      Was nicht mehr zeitgemäß erscheint dauert dennoch, bis es sich wandelt.

                      Ich habe versucht zu beleuchten, woher die Skepsis kommt bzw. Schwächen und Stärken liegen.

                      Aber genau dieser Punkt, dass ernstzunehmende Selfpublisher, die es zuhauf gibt, nicht in einen Topf geworfen werden möchten mit solchen, die auf Qualiät nicht achten, die es leider eben auch gibt, gehört zu den Punkten, die man dabei offensiv ansprechen muss. Es hilft nichts, entweder die eine oder andere Seite auszublenden, man muss dafür eine Lösung finden.

                      VG

                      Rosemarie

                      • Du kommst hier nicht rein! Verschlossene Türen für Selfpublisher

                        In Ergänzung zu meinem Kommentar möchte ich unbedingt noch erwähnen, dass es natürlich sowieso keine scharfe Grenzen zwischen ernsthaften Autoren bzw. Verlagsautoren und dem Rest gibt und den Begriff Hobbyautor finde ich ganz und gar fehl am Platze. Denn wer das Schreiben als Hobby bereibt, ist ja eher ernsthaft bei der Sache und welcher Autor könnte sich schon Profi im Sinne, ich lebe vom Schreiben, nennen. Das können nämlich gerade mal etwa 5 Prozent aller Autoren und auch Verlagsautoren haben üblicherweise einen weiteren / anderen Brotberuf.

                        Und es fängt eben jeder mal kleiner an und entwickelt sich dann weiter.

                        Für mich ist daher im Grunde jeder ein ernstzunehmender Autor, der sich selbst und seine Arbeit ernst nimmt und daher auch an seiner Weiterentwicklung arbeitet und daher eben auch nicht gleich die ersten Gehversuche veröffentlicht.

                        Aber gerade für die bräuchte es Regelungen und Hilfen bzw. eine Richtschnur, an der sie sich abarbeiten können. Stattdessen sind sie darauf angewiesen, sich im Dschungel der seriösen und weniger seriösen zurechtzuwurschteln.

                        Und natürlich kann es nicht so sein, dass einfach die erste Verlags-Veröffentlichung einen in den Autorenhimmel erhebt. Schließlich wissen wir auch alle, dass in Verlagen nicht nur Perlen verlegt werden.

                        Eine Lösung könnten sicher in den Verbänden liegen, aber vielleicht muss sich ein solcher erst Gründen, der sich der Neuautorenszene annimmt und das finde ich sowieso den besten Begriff, weil der nicht mehr unterscheidet zwischen denen, die noch gar nicht veröffentlicht haben, die es selbst in die Hand genommen, die in einem Kleinverlag herausgekommen oder einen einmaligen Bestseller gelandet haben, was ich ja manchmal von den anderen einfach nur durch ein bisschen Glück unterscheidet.

                        Aber ausgelernt hat man als Autor ebensowenig wie in anderen Berufen eigentlich nie.

                        • Du kommst hier nicht rein! Verschlossene Türen für Selfpublisher

                          Die Versuche, irgendwelche generellen Qualitätskriterien für Autorinnen und Autoren zu entwickeln, sind bisher immer jäh gescheitert. Wie schon gesagt, kann es helfen, möglichst viele in Verbände und Netzwerke einzubinden und so für eine Sensibilisierung bei jedem Einzelnen zu sorgen. Im Übrigen gibt es mit dem Selfpublisher-Verband mittlerweile eine Organisation, die sich anschickt, die vielen Selfpublisher an die Hand zu nehmen.

                          Herzlichen Gruß,

                          Vera

                          • Du kommst hier nicht rein! Verschlossene Türen für Selfpublisher

                            Ja, eine solche Qualitätsregelung stelle ich mir auch selbst sehr schwer vor.

                            Aber die Quintessenz ist eben, dass viele deshalb einfach die Verlagsveröffentlichung als Qualitätsbeweis hernehmen, weil es nichts anderes gibt.

                            Das ist sicher nicht gerecht, aber man kann Verständnis haben, was das Aufeinanderzugehen wiederum erleichtert.

                            Ein Selfpublisher Verband ist dabei eine wichtige und richtige Institution.