Verzettele dich nicht

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Self-Publishing Marketing 2 Kommentare

Wenn man beginnt, sich mit Selfpublishing zu beschäftigen, kann man ganz schnell sehr verwirrt sein. Es gibt unzählige Wege. Unendliche Tipps, was man alles tun sollte und was nicht, werden verbreitet. Jede Menge Begriffe, von denen man noch nie gehört hat, schwirren plötzlich um einen herum und lassen einen daran zweifeln, je einen Durchblick zu kriegen. Doch lass dir sagen: Es ist ganz einfach.


Nur das Beste für das eigene Buch


Das erste eigene Buch ist etwas ganz besonderes. Man möchte seinem Baby den besten allermöglichen Starts geben und die Welt erobern. Ich weiß, wovon ich spreche. Der Gedanke, ich könnte bei meinen Buchstarts irgendein essenzielles Detail vergessen haben, und dies verhindert dann, dass mein Buch ein Welterfolg wird, zerreißt mich. Dummerweise hat genau diese Panik dazu geführt, dass ich den Blick für das Wesentliche verloren habe.
Wenn du ein wenig durch die älteren Artikel dieses Blogs stöberst, wirst du feststellen, dass ich so ziemlich alles versucht habe, um meine Bücher an die Leser zu bringen. Es hat mir viel gebracht. Erfahrungen, Leser für meinen Blog und sicher auch ein paar Käufer meiner Bücher. Aber hätte ich meinen Fokus anders gesetzt, wären es sicherlich weit mehr geworden.

Das Wesentliche


Es mag schon oftmals geschrieben und gesagt worden sein, aber ich wiederhole es dennoch: Das Wesentliche ist, dass du ein verdammt gutes Buch schreibst. Und auch wenn ich bei dem Einen oder Anderen Proteste auslöse: Um ein verdammt gutes Buch zu schreiben, ist ein professionelles Lektorat unabdingbar. Wenn du dich fragst, wie du das bezahlen sollst, dann frage ich dich, ob du es wirklich ernst mit deinem Buch meinst. Dieses Buch ist der Kern allen Tuns. Wenn dieses Buch die Leser nicht begeistert, dann brauchst du gar nicht weiter zu denken. Dann ist alles andere völlig nutzlos.

Schreib ein Buch, das die Leser wollen


Du hast die Idee von dem einen Buch, das noch niemand geschrieben hat? Vergiss es. Mal abgesehen davon, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass eine Geschichte noch nie geschrieben wurde, möchten die Leser gar keine neuen Geschichten. Sie möchten neue Aufgüsse von bestehenden Geschichten. Liebesromanleserinnen und -leser möchten, dass sie sich am Ende kriegen. Fantasyleserinnen und -leser erwarten ganz bestimmte Elemente.
Zu Beginn meines Autorinnendaseins, als ich nichtmal im Entferntesten damit gerechnet hätte, je ein Autorinnendasein zu haben, wollte ich ebenfalls diese neue Geschichte schreiben. Ich habe dies auch umgesetzt und es gibt auch Leser, denen diese Geschichten sehr gut gefallen, aber für die große Verbreitung hat es nie gereicht. Ein Grund ist: Die Geschichten passen nicht in bekannte Schemata. Ich weiß bis heute nicht, in welches Genre ich sie einordnen soll.

Verpacke das Buch, wie die Leser es erwarten


Die Verpackung entscheidet darüber, ob Leser zu deinem Buch greifen. Sie muss Erwartungen erzeugen und Emotionen wecken. Die Verpackung eines Buches besteht hauptsächlich aus Titel und Cover. Ich erwähnte ja schon, dass meinen ersten Büchern zu meinem Leidwesen der größere Erfolg verwehrt geblieben ist. Die Titel sind ein weiterer Grund dafür. Ich habe dies früher schon näher ausgeführt.
Ebenso waren die Cover in den Anfängen nicht optimal. Ich musste lernen, dass Coverdesign eine ganz eigene Disziplin ist und man sich tunlichst Experten dazu holt. Wenn du meinst, dein selbstgemaltes Cover sei optimal, gehe mal in den nächsten Buchladen und halte es neben die erfolgreichsten Bücher dort. Wenn du immer noch der Meinung bist, dein Cover würde prima dazu passen, bist du entweder wirklich genial im Coverdesign oder du benötigst dringend eine Brille.

Vergiss den stationären Buchhandel


Es tut mir in der Seele weh, dies zu schreiben, aber es ist wahr. Sein eigenes Buch, zumal wenn es das Erstlingswerk ist, großflächig im stationären Buchhandel unterzubringen, ist nahezu unmöglich. Mit viel Einsatz kannst du es schaffen, es in einzelne Läden zu bringen, aber es geht in diesem Artikel um das Wesentliche und da muss ich dir sagen: Nutze diese Zeit lieber, um das nächste verdammt gute Buch zu schreiben.
Wenn du für das gute Gefühl dein Buch auch in gedruckter Form haben möchtest, dann nutze Createspace oder KDP Print von Amazon. Wenn du dir etwas gönnen möchtest, kaufe dir deine eigene ISBN und nutze diese. So kann, wer will, dein Buch auch gedruckt kaufen und du kannst es zudem ins Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) eintragen. Sollte dann tatsächlich der Buchhandel zu dir strömen, kannst du immer noch Exemplare drucken lassen oder es in einem anderen Format über einen der Komplettanbieter herausgeben.

Es braucht nicht viel Werbung


In diesem Artikel schreibe ich mich um Kopf und Kragen. Gerade ich, die ich so ziemlich jede Werbemöglichkeit, die es gibt, ausprobiert habe, schreibe so etwas. Aber es ist wahr. Es gibt zwei grundlegende Elemente in Sachen Werbung, die ich bei jedem Buch machen würde:
  • Leserunde bei Lovelybooks, um viele, möglichst gute Rezensionen zu bekommen
  • Werbeaktion (99ct., nicht gratis!) mit XTME & Co., um Sichtbarkeit bei Amazon zu erreichen.
Das sind nach meiner Erfahrung die wesentlichen Schritte. Alles andere ist nett zu haben, aber nicht essenziell.

Ach ja, die Plattform


Ist dir aufgefallen, ich habe bisher nur Amazon erwähnt. Auch das schmerzt mich sehr, aber machen wir uns nichts vor, Amazon ist das Maß der Dinge. Ich kenne keinen erfolgreichen Selfpublisher, der zuerst woanders veröffentlichte, und dort erfolgreich wurde. Die meisten haben exklusiv bei Amazon begonnen. Ich würde mir sehr wünschen, tolino & Co. würden es schaffen, ihre Algorithmen ähnlich effektiv zu machen, wie es die von Amazon sind. Wenn du also zu Beginn nur bei Amazon veröffentlichst, ist dies zwar traurig, aber nachvollziehbar.

Ich mache alles anders


Wenn du bis hierhin gelesen hast, wirst du diverse Male den Kopf geschüttelt haben. Insbesondere, wenn du meinen Blog schon länger verfolgst, denn dir wird aufgefallen sein, dass ich alles anders mache. Ich beliefere sämtliche Portale. Ich habe Verträge mit dem Barsortiment und bemühe mich seit Jahren um den stationären Buchhandel. Ich probiere immer wieder neue Werbemöglichkeiten aus, wie z.B. aktuell Snipsl. Ich blogge hier, betätige mich im Selfpublisher-Verband und arbeite hart daran, mit meinen kabarettistischen Lesungen auf die Bühnen dieser Welt zu kommen. Blöderweise liebe ich dies alles und kann es auch nicht lassen. Lediglich einem eigenen Rat folge ich: Ich schreibe verdammt gute Bücher.
Aber ich bin eben noch nicht reich und berühmt und habe auch keine Bestseller. Du kannst es also besser machen. Also setz dich hin und schreibe dein verdammt gutes Buch.


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2 Kommentare Verzettele dich nicht
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  • Stimme dir vollkommen zu!

    Ich habe in den letzten Jahren auch viele verschiedene Sachen versucht. Davon haben nur mein Blog und Facebook etwas gebracht. Das Bloggen hilft dabei, dass hin und wieder Journalisten auf mich aufmerksam werden, die zu Themen mit USA-Bezug recherchieren. (Ich denke mal, das geht dir genauso mit dem Thema Self-Publishing.) Facebook macht Spaß, weil man direkten Kontakt zu einigen Lesern hat und über Jahre aufrecht erhalten kann. Dadurch habe ich bereits eine ganze Reihe supernetter Leute kennengelernt. Selbst wenn es mir nie gelingen sollte, vom Schreiben leben zu können, war es schon wegen dieser Kontakte wert, sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Und falls doch mal ein Buch breitere Beachtung finden sollte, kann es nicht schaden, eine gewisse Backlist zu haben. Ich muss immer daran denken, dass viele Bands jahrelang durch kleine Clubs tingeln, bevor sich ein gewisser Erfolg einstellt. (Herbert Grönemeyer z.B. hatte schon vier gute Alben veröffentlicht und erst mit dem fünften den Durchbruch geschafft. Danach haben die Fans dann natürlich auch die ersten vier gekauft.) Deshalb stimme ich dir zu: Einfach das nächste verdammt gute Buch schreiben!

    • Stimme dir vollkommen zu!

      Hallo Kai,

      danke für deine Zustimmung. Die Geschichte einiger erfolgreicher Musiker motiviert mich auch immer. Zumal ich ja auch Lesungen kenne, bei denen dann nur zwei Zuschauer kommen. Man kann einfach nur dranbleiben und darf den Glauben nicht verlieren.

      In diesem Sinne wünsche ich dir viel Erfolg.

      Herzlichen Gruß,

      Vera