10 Erfahrungen als Autorin, die ich wirklich nicht mag

10 Erfahrungen als Autorin, die ich wirklich nicht mag
Leben Schreiben Self-Publishing 3 Kommentare

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein positiver Mensch bin. Ich halte nichts davon, mich unnötig lange mit Problemen zu befassen. Viel zu viel negative Energie. Nein, ich befasse mich viel lieber mit den schönen Dingen. Doch das Leben bremst auch mich manches Mal aus und präsentiert mir Erfahrungen, die nicht so schön sind. Auch rund um das Autorinnendasein gibt es leider solche Dinge. Diese möchte ich hier einmal benennen, damit ich mich danach wieder mit den schönen Dingen befassen kann.


Deshalb jetzt hier zehn Erfahrungen, die ich leider immer mal wieder machen muss und die mich wirklich sehr ärgern. Dich ja vielleicht auch. Zuspruch in den Kommentaren würde mir übrigens guttun.

Wenn geschenkte oder gewonnene Bücher verkauft werden.


Google Alert

Mit Google Alert kannst du das Netz automatisch nach Suchbegriffen durchforsten lassen und bekommst eine Meldung, sobald ein neuer Eintrag zum Thema erscheint.

Okay, ich weiß. Geschenkt ist geschenkt. Aber wenn ich z.B. eine Leserunde auf Lovelybooks mache, dort 20 Bücher, nett signiert und mit Lesezeichen versehen, hinaus in die Welt sende, um einer Leserin oder einem Leser eine Freude zu bereiten, dann schmerzt es mich, wenn ich kurze Zeit später dieses Buch zum Verkauf angeboten sehe. Sogar mit dem Hinweis, dass es signiert ist. Bitte, wenn jemand mein Buch loswerden möchte, dann soll er das doch bitte so machen, dass ich es nicht mitkriege. Ich habe einen Google Alert für alles Mögliche. Im Web kriege ich es mit. Und ich finde, den Ärger habe ich nicht verdient.

Wenn ich sofort nach Annahme der Freundschaftsanfrage mit Werbung geflutet werde.


Ich interagiere gerne mit Menschen. Täglich bekomme ich Freundschaftsanfragen auf Facebook von Menschen, die ich gar nicht kenne. Manchmal frage ich zurück, woher sie mich denn kennen und oft erhalte ich als Antwort, dass sie dies gar nicht tun und nur Facebook ihnen vorgeschlagen hat, mir doch eine Anfrage zu senden. Aber wenn das Profil einigermaßen seriös aussieht, bin ich ja dennoch so nett, die Anfrage anzunehmen. Doch wenn ich Sekunden später mit Werbung und diversen Einladungen geflutet werde, fühle ich mich verarscht.

Wenn ich bei Verbänden abgelehnt werde, weil ich Selfpublisherin bin.


Es werden weniger, zugegeben. Der Verband deutscher Schriftsteller (VS) hat ja gerade erst die Aufnahme von Selfpublishern zugelassen. Lobenswert. Doch es gibt noch Verbände, die nicht soweit sind. Erst letztlich wurde mir in einem solchen Verband die Vollmitgliedschaft verwehrt, weil ich Selfpublisherin bin. Leute, das passt echt nicht mehr in die Zeit. Besonders schlimm finde ich, dass es zum Teil Verbände sind, die für spezielle Genre stehen und diese Genres zu erfolgreichsten im Selfpublishing gehören. Das ist durch nichts mehr zu rechtfertigen und ärgert mich maßlos.

Wenn jemand sagt, Selfpublishing sei nur seine Notlösung, weil er keinen Verlag gefunden hat.


Ich kann es nicht mehr hören. Wie oft sagen mir beginnende Autoren und Autorinnen, dass sie erstmal einen Verlag suchen möchten und wenn sie keinen finden, dann Selfpublishing machen würden. Leute, Selfpublishing ist keine Notlösung. Selfpublishing ist eine Entscheidung und ganz gewiss nicht minderwertig. Also hört endlich auf damit, euch selbst kleinzureden.

Wenn man mir eigene Bücher zeigt, die offensichtlich selbstgemacht sind, und ich nicht weiß, was ich sagen soll.


Sagte ich schon, dass ich nett bin und es auch sein möchte? Da mich ein paar Menschen als Autorin kennen, bekomme ich regelmäßig Bücher gezeigt. Die Autorin oder der Autor sind naturgemäß sehr stolz auf ihr Baby. Es ist wie bei Eltern, die einem ihr Neugeborenes zeigen. Niemand traut sich zu sagen, dass dieses Baby richtig hässlich ist. Mir geht es bei manchen Büchern ähnlich. Man sieht ihnen schon auf Entfernung an, dass das Cover selbstgestrickt ist. Oft wird die Bestätigung gleich mitgeliefert. »Das Cover hat meine Tochter gemalt.« »Das Bild habe ich letztes Jahr im Urlaub gemacht.« Ich stehe dann davor und möchte diesen Menschen wirklich nicht entmutigen, stammele etwas möglichst Nettes vor mich hin und hasse es, in eine solche Situation gebracht worden zu sein.

Wenn jemand stolz sagt, er habe einen Verlag und sich dann herausstellt, dass er dafür bezahlt.


Manchmal stehen Menschen mit ihren Erstlingswerken vor mir und verkünden stolz, dass sie einen Verlag gefunden haben. Nach Betrachtung des Werkes poppt in meinem Hirn die Frage auf, ob denn der Verlagslektor, der dieses Buch ausgewählt hat, womöglich gerade betrunken war. Wenn ich dann vorsichtig nachfrage, welcher Verlag dies sei, erhalte ich Namen, die Warnlampen angehen lassen. Meine Nachfrage, ob Vorleistungen erbracht werden mussten, bestätigt dann häufig meine Befürchtung. Aber will ich den Menschen sagen, dass sie auf eine Masche reingefallen sind und Geld in den Sand gesetzt haben? Wieder ein Dilemma, das ich wirklich nicht mag.

Wenn jemand dem Selfpublisher-Verband nicht beitritt, weil er keinen persönlichen Nutzen sieht.


Du weißt, dass ich mich sehr für der Selfpublisher-Verband engagiere. Ich halte es für überaus wichtig, dass es eine starke Stimme für die unabhängigen Autorinnen und Autoren gibt. Natürlich halte ich damit nicht vor dem Berg und spreche jeden an, der nicht schnell auf den Baum klettern kann, ob er nicht Mitglied werden will. Sehr oft höre ich dann: »Aber was bringt mir das?« Nun, ich kann natürlich eine ganze Liste von persönlichen Vorzügen herunterbeten, aber innerlich rumort es in mir. Warum ist es nicht selbstverständlich für alle Selfpublisherinnen und Selfpublisher, ihre Stimme zu stärken? Ich verstehe es nicht.

Wenn mich tausende neue Ideen begeistern und vom Schreiben abhalten.


Während diesen Blogartikel schreibe, hätte ich natürlich sehr gut an meinem aktuellen Buchprojekt, Bienes fünften Fall, arbeiten können. Aber das Thema dieses Artikels hat mich gepackt und ich musste einfach direkt loslegen. So geht es mir mit vielen Ideen. Und ich habe jede Menge davon. Sei es etwas, was ich für den Verband tun könnte. Sei es etwas, um mich als Kabarettistin zu etablieren. Oder auch etwas ganz anderes. Und diese neuen Ideen sind immer verlockender, als an dem bestehenden Projekt zu arbeiten. Es ist einfach zu blöd.

Wenn ich zu einer Lesung eingeladen bin und der Veranstalter erst 10 Minuten vor Beginn erscheint.


Das ich die Bühne liebe und jede Gelegenheit wahrnehme, diese zu bespielen, dürfte sich zwischenzeitlich herumgesprochen haben. Da bin ich auch durchaus mal bereit, eine Lesung ohne direkte Gage zu machen, wenn ich denn das Gefühl habe, es ist es wert. Man muss wissen, dass ich Professionalität schätze. Ich bin immer rechtzeitig vor Ort, mindestens eine Stunde vorher, und bin vorbereitet. Doch wenn ich dann dort alleine warte, vielleicht sogar schon erste Gäste kommen, aber vom Organisator noch keine Spur zu sehen ist, bekomme ich Hassfalten. Da fühle ich mich richtig veräppelt und der Veranstalter sieht mich nie wieder.

Wenn ein Lesungsveranstalter meint, meinen Auftritt in seinem Flyer aufzulisten, sei genug Werbung.


Wenn man beginnt, Auftritte jedweder Art zu machen, muss man damit rechnen, dass auch mal kein Publikum erscheint. Oder es sitzen zwei Menschen im Saal. Das kennt jeder Künstler. Doch wenn dies geschieht und der Veranstalter mir dann sagt, er hätte als einzige Werbung meinen Auftritt in seinen Flyer aufgenommen, werde ich sauer.

So, das hat gutgetan. Sozusagen Blogartikel als Therapieansatz. Wenn dich auch solche Dinge nerven und du sie mal loswerden möchtest, bietet mein Kommentarbereich genügend Platz dafür. Also lass es raus.

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3 Kommentare 10 Erfahrungen als Autorin, die ich wirklich nicht mag
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  • Long time, not seen

    Veranstaltungen: Kommuniziere alles, was dir wichtig ist. Wenn du Werbung erwartest, dann frag nach, was geplant ist. Sag bescheid, wann du planst zu kommen bzw. frag, ab wann jemand da ist. Bei einer unserer kleinen Bühnen können Künstler z.B. erst 15 min vorher kommen, weil der Raum davor belegt ist. Das, was du schildest, sollte man hinbekommen, aber ... es ist gut, das vorher schon anzusprechen.

    Dilemmata: Kenne ich gut :) Aber im Zweifel für die Ehrlichkeit. Bei dir haben die Leute noch den Vorteil, dass du ihnen nicht wehtun willst. Der Buchmarkt ist ein Haifischbecken - wenn es gut läuft, wird man "nur" ignoriert, wenn's schlechter läuft, macht man sich darüber lustig. Und wenn man "Glück" hat, trifft man auf jemanden, der einem den Text verreißt, weil alle SP unprofessionell sind und ... überhaupt ... und überhaupt. Ich versuche das zu lösen, indem ich nachfrage. Wenn jd. den Text nur veröffentlicht, um überhaupt ein Buch geschrieben zu haben, versuche ich ihm zu vermitteln, dass er etwas Tolles geschafft hat. Wenn er aber Menschen ansprechen will, dann versuche ich konstruktive Kritik anzubringen. Es ist schwierig ...

    Und ansonsten: Die Sache mit den DKZV kann nicht oft genug kommuniziert werden ...

    • Long time, not seen

      Hallo Evy,

      schön, dass du mal wieder vorbeischaust. Nach meiner Erfahrung lassen sich Veranstalter nicht gerne reinreden und betrachten Fragen nach ihren Marketingaktivitäten eher als Angriff. Ich versuche immer, mich vorsichtig heranzutasten. Oft gibt es nur knappe Antworten, wie "Wir machen das schon" und am Ende ist nichts gemacht. Ist aber glücklicherweise nicht die Regel.

      Herzlichen Gruß

      Vera

      • Eine Antwort

        Aber ... mittlerweile hast du den Status erreicht, dass du auch deutlicher nachfragen kannst. Trotzdem schockiert mich das. Ich hätte damit kein Problem - unangenehm wird es nur, wenn jemand Forderungen stellt, die wir nicht erfüllen können. Ich glaube, sowohl als Veranstalter als auch als Künstler sollte man sich schon vorher im Klaren sein wem man gegenüber sitzt. In deinem Fall: Du bringst ne große Fanbase mit, die digital gut zu erreichen ist. Aber dann muss man dir auch Material liefern, mit dem du sie füttern kannst. Keinem ist geholfen, wenn ihr parallel arbeitet. Aber ... bis sich Strukturen ändern, dauert das wohl ...

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