´ Veras Welt - Zu Besuch bei Ascot: Wo Lutz Webers zweites Leben beginnt

Zu Besuch bei Ascot: Wo Lutz Webers zweites Leben beginnt

Zu Besuch bei Ascot: Wo Lutz Webers zweites Leben beginnt
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Es gibt Momente beim Schreiben, in denen ein Detail einer Figur plötzlich mehr Eigenleben entwickelt, als man geplant hatte. Bei meiner Hauptfigur Lutz Weber war das seine Vergangenheit als Krawattendesigner. Ich hatte mir das ausgedacht, weil der Handlungsort die Textilstadt Krefeld ist und es zu einem 71-Jährigen passte, der methodisch beobachtet, Stoffe erkennt und in Mustern denkt. Was ich nicht geplant hatte: dass mich diese Idee eines Tages tatsächlich vor die Tür einer echten Krefelder Krawattenmanufaktur führen würde.


Der Besuch


Vor einigen Wochen war ich bei Ascot Karl Moese, mitten in Krefeld, keine zehn Minuten von den Schauplätzen entfernt, die auch Lutz und Kasper kennen. Die Geschäftsführerin Frau Pauen hat sich Zeit genommen und mir die Firma persönlich gezeigt. Die Werkstatt, in der die Krawatten entstehen. Die vielen tollen Dessins und die Sorgfalt, mit der dort noch gearbeitet wird, in einer Branche, die es zunehmend schwer hat.
Ich saß da mit meinem Notizbuch und merkte, wie viel von dem, was ich für Lutz erfunden hatte, sich in dem wiederfand, was ich sah. Die Geduld. Der Blick fürs Detail. Das Gefühl, dass ein gutes Stück Stoff eine eigene Geschichte erzählt, wenn man weiß, wie man sie liest.
Dabei habe ich auch gelernt, dass Menschen wie Lutz in der Branche gar nicht Krawattendesigner heißen, sondern Dessinateure. Ein Wort, das ich seitdem nicht mehr aus dem Kopf bekomme und das für mich fast noch besser zu ihm passt.

Wenn Fiktion auf Wirklichkeit trifft


Das Schöne an solchen Begegnungen ist, dass sie nicht nur die Recherche bereichern, sondern auch daran erinnern, wie viel Krefeld noch von seiner Textilgeschichte in sich trägt. Krefeld war über Jahrhunderte die Samt- und Seidenstadt Deutschlands, und das Samtweberviertel in der Südstadt war einer ihrer Kerne. Genau hier, rund um die Alte Samtweberei, wurde produziert, gewebt, gefärbt, veredelt. Man sieht es noch heute an den Fassaden, an den Namen der Straßen, an den Backsteinbauten, die einmal Fabrikhallen waren.
Das Viertel hat sich seitdem deutlich gewandelt. Wo früher Weberei war, sind heute Ateliers, Kulturcafés wie das echte Vorbild von Lutz' Stammlokal und ein lebendiges, multikulturelles Nachbarschaftsleben. Döner-Imbisse neben Altbaufassaden, die Alte Samtweberei selbst längst zum kulturellen Zentrum geworden, mit Veranstaltungen wie dem SpätMAAT, der auch in Band 2 eine Rolle spielt. Die Südstadt steht heute für eine Stadtentwicklung, die sich ihrer Geschichte bewusst ist, statt sie zu verdrängen, ein Viertel im Aufbruch, nicht im Abbruch.
Genau dieses Nebeneinander von Vergangenheit und Gegenwart wollte ich mit Weber & Wozniak einfangen. Dass es mit Ascot noch ein Unternehmen gibt, das die textile Tradition fortführt, hat mich beim Schreiben von Band 2 immer wieder begleitet.
Aus dem Besuch ist inzwischen mehr geworden als nur Inspiration. Frau Pauen fand die Idee, dass ihr Handwerk in einem Krimi eine Rolle spielt, offenbar so charmant, dass sie mir für die Buchstartparty eine Krawatte mit Bücherregal-Muster zur Verfügung gestellt hat. Kein eigens angefertigtes Einzelstück, sondern eines ihrer erfolgreichsten Dessins, seit Langem im Programm und offenbar bei vielen Kunden beliebt.

Die Krawatte gibt es zu gewinnen


Bei der Buchstartparty am 27. August wird genau dieses Dessin verlost. Wer also schon immer eine Krawatte mit literarischem Muster tragen wollte, hat dort die Gelegenheit dazu.

Buchstartparty „Fadenscheinig"

27. August 2026, 19:30 Uhr
Das Café, Tannenstraße 147, Krefeld-Südstadt
Freier Eintritt, keine Anmeldung nötig

Ich freue mich, wenn ihr vorbeikommt und die Geschichte hinter der Geschichte selbst entdeckt.

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