Betrugsmails an Selfpublisher: Wenn die KI deine Bücher lobt

Betrugsmails an Selfpublisher: Wenn die KI deine Bücher lobt
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Betrugsmails an Autoren: wie mein Postfach zum Fanclub wurde, den es nicht gibt.


Es gibt Tage, da fühle ich mich wie eine Bestsellerautorin. Mein Postfach quillt über vor Bewunderung. Menschen, die ich nie getroffen habe, lieben meine Bücher, meine Heldinnen und meinen "ganz eigenen Charme". Leider wollen sie mir dafür immer irgendetwas verkaufen.

Allein diese Woche: Ein gewisser Mateo R. findet, dass "Pseudonyme küsst man nicht" einen "sehr eigenen Aufhänger" hat, und möchte mir "kurz und unverbindlich" eine "konkrete Idee" schicken. Das Wort "konkret" ist da bemerkenswert unkonkret. Wei C. hat meine "humorvollen Krimis gelesen" und sieht Potenzial für Buchtrailer. Henry K., der als "Katherine" unterschreibt, fragt, ob das die beste Adresse sei, um "direkt über Aufgetrennt" zu sprechen. Ich wusste gar nicht, dass man über ein Buch auch indirekt sprechen kann.

Mein persönlicher Favorit ist Morgan, der als Susan W. schreibt und sich Buchpromoter nennt. Morgan schätzt an mir die "Verbindung aus Krimi, Humor und starken Charakteren". Ein Kompliment, das auf jeden Krimi passt, der je in einem Buchladen stand. Den Vogel schießt David C. ab. Er hat "Frau Appeldorn und der tote Kapitän" so gründlich "durchgesehen", dass er die Inhaltsangabe fast wörtlich nacherzählt, und möchte mein Buch jetzt ins Englische übersetzen, kostenlose Probe inklusive. Dass solche Angebote "bei manchen Autoren nicht gut enden", schreibt er übrigens selbst. Ehrlichkeit muss man erst mal schaffen.

Woher kommen diese Mails an Autoren?


Keine Sorge, ich bin nicht plötzlich berühmt. Die Absender holen sich Titel, Klappentexte und Rezensionen automatisch von Amazon und Co. und lassen eine KI daraus Liebesbriefe an die Autorin schreiben. Das ist Massenware mit Handschrift.
Die Warnstelle Writer Beware nennt falsche Marketingexperten die am schnellsten wachsende Betrugsmasche des Jahres 2025. Inzwischen trifft es laut Writer Beware auch deutschsprachige Autorinnen und Autoren, mit denselben Gmail-Adressen, derselben Schmeichelei und Absendern, die man online nirgends findet.

Warum es gerade Selfpublisher trifft


Ich mache Self-Publishing mit Stolz, und genau deshalb weiß ich, wie die Absender denken: Wer ohne Verlag arbeitet, hat keine Agentur und keine Lektorin, die solche Mails vorab aussortiert. Marketing, Übersetzung und Trailer organisieren wir selbst, also sind wir die ideale Zielgruppe für "Dienstleister". Dazu kommt: Titel, Klappentext und Rezensionen liegen öffentlich auf Amazon und lassen sich leicht abgreifen. Das ist meine Einschätzung, keine Studie. Aber sie erklärt, warum mein Postfach so voll ist.

So funktioniert die Masche


Die erste Mail kostet nichts und verlangt nichts. Sie will nur eine Antwort. Wer antwortet, bekommt freundliche Gespräche, noch mehr Lob und irgendwann das Angebot, natürlich gegen Gebühr: Buchclub-Vorstellung, Trailer, Übersetzung, "Veröffentlichung". Die freundliche Frage am Ende ("Was macht Frau Appeldorn so besonders?") ist der Köder, nicht das Interesse.

Was tun bei Mails von Buchpromotern und Übersetzern?


Antworte nicht, auch nicht höflich. Melde die Mail als Spam und lösche sie. Bei jedem Dienstleister, der von selbst auf dich zukommt, gilt zuerst der Check "Name plus scam". Seriöse Anbieter schreiben Autorinnen und Autoren in der Regel nicht kalt an, auch nicht bei erfolgreichen.
Und wenn die Mail doch ein bisschen schmeichelt? Dann denk an Frau Appeldorn. Die würde so eine Mail zweimal lesen, die Augenbraue heben und fragen, wer hier eigentlich Geld haben will.

Woran du Betrugsmails erkennst


  • Gmail-Adresse mit Fantasie-Firmenname statt eigener Domain
  • Lob, das nur aus dem Klappentext stammt
  • Absendername und Unterschrift passen nicht zusammen
  • ein 'unverbindliches' Angebot ohne ein einziges konkretes Detail
  • Absender, die online nicht auffindbar sind

Häufige Fragen


Soll ich auf solche Mails antworten?
Nein. Eine Antwort bestätigt, dass deine Adresse aktiv ist, und es kommen mehr Mails. Der Schriftwechsel dient oft nur dazu, dich später zum Zahlen zu bewegen.
Woran erkenne ich, ob ein Buchpromoter seriös ist?
Seriöse Anbieter haben eine eigene Firmendomain, ein Impressum, überprüfbare Referenzen und melden sich nicht ungefragt mit "unverbindlichen Ideen". Such nach dem Namen plus "scam" oder "Erfahrungen".
Wo bekomme ich seriöse Hilfe?
Das Watchdog Desk der Alliance of Independent Authors (ALLi) und Writer Beware sammeln Erfahrungen mit Dienstleistern. Auch Autorenverbände sind gute Anlaufstellen.

Hier liest du weiter, bevor du zahlst



Meine Warnung zum Schluss


Wenn dir jemand schreibt, er habe dein Buch gelesen, und im selben Atemzug nach Geld, Zugangsdaten oder einer Antwort fragt, dann hat er es nicht gelesen. Wer dein Buch wirklich gelesen hat, schreibt eine Rezension.

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