Erklär’ mir nichts

Erklär’ mir nichts
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Vor ein paar Tagen saß ich mit einigen Autoren und Autorinnen zusammen, die an ihren Erstlingswerken arbeiteten. Wir stellten uns gegenseitig unsere Projekte vor und gaben uns Feedback. Unter anderem lasen wir uns Ausschnitte aus unseren Werken vor. Dabei ist mir aufgefallen, dass alle dazu neigten, vor dem Lesen erst einmal zu längeren Erklärungen anzusetzen.

Da wurden jede Menge Personen genannt, deren Namen ich schon nach Sekunden durcheinanderbrachte. Da wurden Vorgeschichten aufgebaut, die anscheinend unabdingbar für das Verständnis waren. Doch niemals stieg dadurch meine Vorfreude auf das Vorgetragene. Eher fand ich es immer schwieriger, mich einfach auf den Text zu freuen.

Warum meint man, etwas vorab erklären zu müssen?

Wir hatten einige Diskussionen über diese Voraberklärungen. Ich forderte die Vortragenden auf, keine Erklärungen vorauszuschicken, doch dann hatten sie Angst, man würde das Gelesene nicht verstehen. Ein Gedanke, den ich verstörend finde. Was sagt dies über die Geschichte aus, wenn man sie nur mit vorherigen Erläuterungen verstehen kann?

Erklärungen sind Mist

Wir machten zusätzlich die Erfahrung, dass die gutgemeinten Erklärungen gar nicht für Verständnis sorgten, sondern viel mehr verwirrend waren. Niemand von den Zuhörern konnte auf die Schnelle genau nachvollziehen, was da genau erläutert wurde. Man hatte als Zuhörerin zudem keine Chance, wirklich in die Welt einzutauchen, in die Autor oder Autorin wie selbstverständlich zuhause waren.

Erklärungen sind Warnzeichen

Wenn du das Gefühl hast, du müsstest Lesern oder Zuhörern vorab etwas erklären, damit sie deiner Geschichte folgen können, dann stimmt etwas nicht mit deiner Geschichte. Bei dem besagten Zusammentreffen haben wir die Erfahrung gemacht, dass man entweder die Erklärung getrost weglassen konnte und es der Geschichte eher guttat, oder man danach wusste, dass der Text einfach nicht gut war.

Es ist die Geschichte, die wirken muss

Wenn ich ein Buch aufschlage, dann erwarte ich, dass mich die Geschichte in den Bann zieht. Ich will unterhalten, vielleicht in neue Welten gezogen werden oder neue Einsichten gewinnen. Ich möchte nicht belehrt oder mit Gewalt irgendwo hingeschubst werden. Die Geschichte muss so sein, dass sie mich ganz alleine mitnimmt in ihre Welt. Doch dazu bedarf es einer Bereitschaft, einer inneren Offenheit, mich auf das Kommende einzulassen. Voraberklärungen belasten diese Bereitschaft.
Bei Lesungen ist es absolut tödlich, wenn man vorab erst einmal erklären muss, was da kommt. Aber auch für mich als Leserin stellen sie eine große Eingangshürde dar. Deshalb kann ich dir nur raten:

Schreibe deine Geschichte so, dass sie ohne Erklärungen auskommt.

Prämisse oder Pitch helfen


An anderer Stelle habe ich ja bereits ausgeführt, dass ich mich an der Prämisse nach James N. Frey orientiere. Andere nennen es Pitch. Ganz egal, wie es heißt, es hilft, die Geschichte immer wieder zu hinterfragen und zu sehen, was zu sehr vom Kern ablenkt und daher eliminiert werden sollte. Eine Geschichte, die sich daran orientiert, benötigt keine ausschweifenden Erklärungen. Sie wirkt für sich.

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