Es sind die Emotionen

Es sind die Emotionen
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Wer mich und diesen Blog kennt, weiß, dass ich mir viele Gedanken darüber mache, wie ich meine Leserinnen und Leser erreichen kann. Wie ist der beste Titel für mein Buch? Welcher Klappentext lockt zum Lesen und welches Cover zum Zugreifen? Vor meinem Workshop auf der Leipziger Buchmesse zum Thema »Wie begeistere ich mein Publikum bei Lesungen?« habe ich ebenfalls überlegt, was wohl der Schlüssel zu allem ist. Die Antwort lautet: Es sind die Emotionen.


Die Geschichte: Natürlich emotional


Eigentlich sollte ich dies gar nicht erwähnen müssen. Dass eine Geschichte, die Leser packen soll, Emotionen auslösen muss, dürfte jedem klar sein. Dennoch erlebe ich es immer wieder, dass Autorinnen und Autoren dies beim Erzeugen ihres Werkes nicht im Fokus haben. Sie denken an die Botschaft, die sie der Welt mitteilen möchten. Oder sie haben so viele Schreibratgeber konsumiert, dass sie nur noch konstruieren, anstatt zu erleben. Dabei weiß man eigentlich, dass man eine Botschaft viel besser transportiert, wenn man sie emotional verpackt. Beispielsweise wirkt die Nachricht, dass Menschen in Krisenregionen hungern an sich kaum. Zeigt man dazu das abgemagerte, hungernde Kind, wird eine Emotion ausgelöst und die Spendenbereitschaft steigt rapide. Möchtest du also in deiner Geschichte eine Botschaft vermitteln, lass dir eine emotionale Story dazu einfallen.

Der Titel: Geht gar nicht ohne Emotion


An anderer Stelle habe ich ja bereits ausgeführt, welche Erfahrungen ich mit den Titeln meiner Bücher gemacht habe. Die tollen und durchdachten Konstrukte »Rausgekickt: Weiße Sterne« und »Rausgekickt: Blaue Vögel«, die ich mir habe zuerst einfallen lassen, haben kaum jemanden zum Lesen angeregt. Der Grund ist, sie sind zwar logisch aufgebaut, aber sie erzeugen keinerlei Bild beim Leser und damit auch keine Emotion. Doch genau dies ist die Hauptaufgabe eines Titels. Er muss sofort etwas vor dem inneren Auge des Lesers entstehen lassen. Am besten etwas, dass eine Emotion auslöst, die zum Buch passt. Dann ist die Chance groß, dass der Betrachter zum Buch greift.

Das Cover: Pure Emotion


Wenn man zum ersten Mal darüber nachdenkt, wie das Cover eines Buches aussehen könnte, dann neigt man dazu, sehr gegenständlich zu denken. Was kommt im Buch vor? Wie kann ich dies bildlich darstellen? Manchmal erzählen mir Erstlingsautoren sogar davon, wie sie sich sorgen, dass nicht jedes für die Geschichte relevante Objekt auf dem Cover abgebildet sei. Ich antworte darauf immer, dass es völlig egal ist, was genau auf dem Cover abgebildet ist. Wichtig ist, dass das Cover ein Gefühl auslöst, das zum Buch passt. Ist es ein Thriller, dann hat das Cover rot und schwarz zu sein, darf gerne etwas Blutiges zeigen oder eine Waffe. Ist es ein Liebesroman, dann muss ich romantische Gefühle beim Betrachten bekommen. Deshalb gefallen mir im Regelfall Fotos als Cover nicht so sehr. Sie sind einfach zu realistisch und lösen damit oft keine tieferen Gefühle aus. Es sei denn es handelt sich um Katzenbabys.

Bei Lesungen: Emotionen sind die halbe Miete


Auf dem oben erwähnten Workshop habe ich versucht, den Teilnehmern zu zeigen, dass es auch bei Auftritten elementar ist, im Publikum Emotionen auszulösen. Niemand möchte bei seiner solchen Gelegenheit einen sachlichen Vortrag erleben. Die Menschen gehen zu Lesungen, um unterhalten zu werden, und es ist unsere Pflicht, diesen Wunsch zu erfüllen. Man fühlt sich aber nur unterhalten, wenn man Emotionen erlebt hat. Wenn man herzhaft lachen oder verlegen schluchzen konnte. Viele Autorinnen und Autoren vergessen dies, wenn sie sich vor das Publikum setzen und nur darauf fokussiert sind, dem Publikum haarklein zu erklären, was sie mit der Geschichte sagen wollen. Auch sich in einen Sessel fallen lassen, das Buch vor das Gesicht zu heben und stur vorzulesen, erzeugt im Regelfall keine Emotion, außer vielleicht den Drang, schnell zu gehen.

Auch sonst: Emotionalität ist angesagt


Wir wissen alle, dass von Autorinnen und Autoren erwartet wird, dass sie mit den Lesern kommunizieren. Im Social Media soll der Mensch sichtbar werden. Authentisch soll es sein. Dies heißt nichts anderes, als dass auch hier Emotionen ausgelöst werden sollen. Ich muss gestehen, dass dies der für mich schwierigste Teil ist. Als ziemlich vom Verstand gesteuerter Mensch fällt es mir schwer, profane Dinge zu verbreiten, die nur darauf abzielen, bei den Betrachtern ein »Ah« oder »Oh« auszulösen. Zudem kann man so etwas sowieso nicht geplant machen. Es muss aus einem herauskommen. Aber das geht bei mir immer einmal durch den Kopf und wird dann zumeist nicht sehr emotional. Aber vielleicht löse ich ja wenigstens Mitleid aus. Ist auch eine Emotion.

Sollte ich jetzt in dir die Emotion ausgelöst haben, mir unbedingt deine Anmerkungen mitzuteilen, dann solltest du dem unbedingt folgen. Du löst nämlich damit in mir eine Emotion aus, nämlich unbändige Freude.

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