Versteh doch!!!

Versteh doch!!!
Schreiben 2 Kommentare

Der Leser und auch die Leserin sind manchmal schon dumm. Da schreibt man ganz klar, was Sache ist und sie verstehen nicht, wie es gemeint ist. Damit das nicht passiert, haben sich in der schriftlichen Kommunikation bei E-Mails, SMS und Facebook-Postings hilfreiche Methoden etabliert. Damit kann man den Lesern und Leserinnen genau zeigen, wie sie zu denken haben. Also schreibt man die wichtigen Worte im Satz fett, setzt gleich drei Ausrufezeichen ans Ende oder zeigt mit Großbuchstaben an, dass dieses Wort mehr geschrien denn gesprochen werden sollte. Alles ganz einfach, oder?

Aber wer hat behauptet, dass Schreiben einfach ist? Die Kunst des Schreibens ist es, den Leser oder die Leserin so in die Geschichte hineinzuziehen, dass sie die Dinge fühlen. Wenn ich ihnen Gebrauchsanweisungen geben muss, wie sie zu lesen oder zu fühlen haben, dann habe ich als Autorin versagt. Der eherne Grundsatz „Show, don't tell“ sagt dies ebenfalls aus. Wenn die Aussage einer Figur mehr geschrien wird, weil sie gerade wütend ist, dann muss ich diese Figur auch wütend handeln lassen. Führe ich die Leser richtig durch die Geschichte, dann benötige ich keinen Fettdruck und andere Hilfsmittel. Es versteht sich von selbst.

Dies setzt ein gewisses Grundvertrauen in die eigene Schreibkunst voraus. Gerade zu Beginn der Autorenkarriere ist dies naturgemäß noch nicht so ausgeprägt und es ist nachvollziehbar, dass man meint, zu Hilfsmitteln greifen zu müssen. Davon muss man sich aber freimachen. Man muss den Lesern und sich einfach vertrauen. Es ist sogar eine Bereicherung, wenn Leser ihre ganz eigene Sichtwiese an die Geschichte legen und neue Aspekte entdecken. Ich finde es faszinierend, wenn Zuhörer bei Lesungen an Stellen lachen, mit denen ich nie gerechnet hatte. Oder, wenn mir Leser erzählen, welche Dinge sie besonders an meinen Geschichten bewegt haben. Eine bereichernde Erfahrung, die mich meine Geschichten immer wieder neu betrachten lässt. Es wäre eine Schande, wenn ich ihnen und mir diese Möglichkeiten durch das Einhämmern meiner Sichtweise genommen hätte.

Jetzt auch zum Hören!

Alle Themen aus meinem Blog und noch viel mehr gibt es ab sofort auch auf die Ohren im neuen Podcast "Die Zwei von der Talkstelle". Gemeinsam mit Tamara Leonhard gibt es alles rund um das Schreiben, Lesen, Leben und was uns sonst noch so einfällt.

Jetzt reinhören!

Die Zwei von der Talkstelle - Vom Schreiben, Lesen, Leben und was uns sonst noch so einfällt

Mehr Lesestoff

Diese Artikel könnten dich interessieren

Das neue Buch will gefeiert werden

Das neue Buch will gefeiert werden

Es ist wieder so weit. Mein neues Buch steht in den Startlöchern. Es ist das neue Abenteuer meiner Detektivin Sabine ‚Biene‘ Hagen aus Grefrath am Niederrhein. Ab 23. Juli wird es überall erhältlich s...

Zum Artikel

Wie finde ich den richtigen Buchtitel?

Wie finde ich den richtigen Buchtitel?

Es sollte ein schöner Moment sein. Der neue Krimi ist im Lektorat. Die Veröffentlichung kommt näher. Doch es gibt etwas, das mir die Freude gründlich verhagelt. Ich muss den passenden Titel für mein n...

Zum Artikel

Das erste Buch, was nun?

Das erste Buch, was nun?

Jahrelang hat man diesen Traum in sich getragen. Dann kam der Moment, an dem man begann, ihn in die Tat umzusetzen, und dann ist es da, das erste Buch. Ich habe keine Kinder, aber ich kann mir vorstel...

Zum Artikel

DZVDT 03 - Selbstzweifel beim Schreiben

DZVDT 03 - Selbstzweifel beim Schreiben

Woran liegt es, dass Autoren immer wieder an der eigenen Geschichte zweifeln und wie geht man damit um? Vera und Tamara sprechen über ihre unterschiedlichen Phasen der Selbstzweifel und den Schreibpro...

Zum Artikel

Ist ein Pseudonym sinnvoll?

Ist ein Pseudonym sinnvoll?

Ein Buch ist ein Gesamtkunstwerk. Bei vielen Autorinnen und Autoren besteht daher der Wunsch, den eigenen Namen passend zu machen und sich ein Pseudonym zuzulegen. Verschiedene Stimmen behaupten sogar...

Zum Artikel
2 Kommentare Versteh doch!!!
Hinterlasse deinen Kommentar

  • Schreibkunst

    Hallo Vera!!!

    Was möchtest du denn DAMIT sagen? Dass man schreiben lernen sollte???? *lach*

    Spaß beiseite. Du schreibst so lieb und nett über dieses Thema. Versuchst sogar zu helfen. Bei mir kribbelt dann die satirische Ader und ich nehme solche Werke als Inspiration für meine Satiren :)

    Ich bewundere deine Diplomatie :)

    LG Pat

    • Schreibkunst

      Danke Pat,

      dabei wollte ich doch satirisch rüberkommen. (Eigentlich wollte ich hier einen Smiley setzen, aber zu dem Blogartikel ist das wohl eher unpassend.) Aber ich kann den Drang der Autoren schon verstehen, sicherzustellen, dass die Leser genau das Denken, was ich mir vorstelle. Ist ja nicht so, dass ich mich immer davon habe freimachen können.

    Keine Geschichte verpassen
    Gleich eintragen und ich informiere dich bevorzugt über neue Geschichten und Angebote.