Die Eigenheiten des stationären Buchhandels

Die Eigenheiten des stationären Buchhandels
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Fragt man Selfpublisherinnen und Selfpublisher nach ihrer Einstellung zum stationären Buchhandel, so stellt man schnell fest, dass es zwei Fraktionen unter den Autorinnen und Autoren gibt. Die einen möchten gerne im stationären Buchhandel präsent sein, aber verzweifeln oft daran, dass ihnen der Zugang schwer gemacht wird. Die anderen haben längst aufgegeben oder es gar nicht erst angefangen und konzentrieren sich ganz auf den Onlinehandel und hier speziell auf Amazon. Ich kann beide Seiten gut verstehen. Für mich selbst habe ich entschieden, nicht aufzugeben, und so habe ich in Anbetracht meines neuen Buches einen weiteren Anlauf gemacht.


Man muss sich auf die Buchhändler einstellen


Wer meinen Blog verfolgt hat, weiß, dass ich schon länger daran arbeite, meine Bücher im stationären Buchhandel präsenter zu machen. Ein Ergebnis dieser Aktivitäten ist, dass ich mittlerweile ganz gut verstehe, wie Buchhändlerinnen und -händler so denken. Das ist insofern wichtig, dass der Buchhandel ein sehr geregelter und geschützter Bereich ist, der seine ganz eigenen Regeln hat. Wesentlicher Grund dafür ist die Buchpreisbindung. Sie führt dazu, dass im Buchhandel nicht um Preise gefeilscht wird. Dazu kommt die überschaubare Zahl von möglichen Lieferanten. Im Grunde sind dies die drei Barsortimenter Libri, KNV und Umbreit. Dadurch sind die Konditionen auch mehr oder weniger fix. Diese Faktoren prägen das Handeln des Buchhandels und darauf muss man sich einstellen. Der Versuch, es anders als üblich zu machen, erschwert das Bemühen erheblich, und ich würde es niemandem raten. Im Gegenteil, es hat sich für mich als erfolgreich herausgestellt, perfekt auf die Anforderungen des Buchhandels eingestellt zu sein. Ich habe vorbereitete Rechnungen und biete klare Konditionen inklusive Rückgaberecht, wie es der Handel gewohnt ist. Da haben Händlerin und Händler kein Argument mehr, nicht zuzugreifen.

Der Buchhandel will Verkaufschancen erkennen können


Tote Trolle meckern nicht

Tote Trolle meckern nicht

Taschenbücher und Leseproben

Der Buchhandel ist es gewohnt, dass ein Vertreter eines Verlages vorspricht und ihm vorlegt, welche Bücher nach Verlagsmeinung demnächst gut verkauft werden. Danach bestellt er. Vielleicht wägt er noch etwas ab, welches Buch er für seine Leserschaft als interessanter empfindet. Aber wenn der Verlagsvertreter ihm mitteilt, dass in dieses oder jenes Buch demnächst Werbegelder investiert werden oder mit Fernsehauftritten zu rechnen ist, dann wird er sich die Titel ins Geschäft legen.
Wenn man also als Selfpublisher eine Buchhändlerin überzeugen möchte, sollte man entsprechend vorbereitet sein. Mit dem Fernsehauftritt kann man im Regelfall wohl nicht winken, aber sehr wohl mit Pressepräsenz, dem regionalen Bezug und ansprechenden Werbematerialien. Der Buchhandel liebt insbesondere Leseproben. Lesezeichen sind weniger interessant, sofern sie nicht absolut einzigartig sind. Mein Plakat zur aktuellen Neuerscheinung wurde auch gerne angenommen.

Die Eroberung des Buchhandels braucht Ausdauer


Plakat zum neuen Buch

Plakat zum neuen Buch

Ziemlich genau vor drei Jahren habe ich meine erste große Buchhandelstour gemacht. Damals hat fast keine der besuchten Buchhandlungen Bücher von mir bestellt. Nun habe ich aus Anlass meines neuen Buches »Tote Trolle meckern nicht« wieder Buchhandlungen aufgesucht. Dieses Mal haben sie alle direkt Bücher gekauft. (siehe Titelbild in der Anrather Bücherecke) Was war anders?
Natürlich weiß die Buchhändlerin oder der Buchhändler, dass eine gewisse Ernsthaftigkeit hinter den Aussagen eines größeren Verlages steckt. Bei einer Autorin, die erstmalig vorstellig wird und von der die Buchhändlerin noch nie gehört hat, ist dies dagegen schwierig einzuschätzen. Man muss selbst bei optimaler Vorbereitung damit rechnen, dass es Zeit braucht, bis die Botschaft ankommt.
In den vergangenen drei Jahren war ich immer mal wieder in der Presse. Es haben zwischenzeitlich Menschen in den Buchhandlungen nach meinen Büchern gefragt. Ich bin mehrfach vorstellig geworden und habe dort in Einzelfällen auch schon Lesungen abgehalten. Zudem hat sich bei der Akzeptanz von Selfpublishing im Buchhandel in den letzten drei Jahren viel getan. Dies alles hat dazu geführt, dass die Buchhandlungen jetzt Verkaufschancen für meine Bücher sehen.

Lohnt es sich, sich um den Buchhandel zu bemühen?


Ich will ehrlich sein. Wenn ich ganz genau rechne und allen Eigenaufwand ordentlich bewerte, dann müsste ich nach betriebswirtschaftlichen Faktoren wahrscheinlich empfehlen, den stationären Buchhandel links liegen zu lassen. Die weitaus größeren Verkaufszahlen erreiche ich definitiv über Amazon. Nehme ich die aktuelle Buchhandelstour zum Anlass, dies zu bewerten, so sind die Zahlen dennoch durchaus positiv. Ich hatte 3:30 Stunden Einsatz und habe 25 Bücher verkauft, die mir einen Reinerlös von ziemlich genau € 100,- eingebracht haben. Als Stundenlohn durchaus vertretbar. Wenn ich natürlich noch Kosten der gefahrenen Kilometer und der speziell erzeugten Werbematerialien abziehe, wird das Bild schon weniger positiv. Aber letztlich, denke ich, ist es eigentlich keine betriebswirtschaftliche, sondern eine emotionale Entscheidung. Ich habe sie für mich getroffen und genieße das Gefühl, dass meine Bücher in immer mehr Buchhandlungen präsentiert werden. Triff also einfach deine eigene Entscheidung.

Auch bei der Buchhandlung Weber in Erkrath wurde ich freundlich empfangen.


Hinweis: Falls du im Süden Deutschlands heimisch bist, solltest du dir den 14. November 2019 merken. An diesem Tag lädt der Selfpublisher-Verband e.V. in Zusammenarbeit mit dem Barsortimenter Umbreit zu einem Dialog zwischen Buchhandel und Selfpublishing ein. Infos dazu gibt es auf der Webseite des Verbandes.

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