Plädoyer für Gelassenheit beim Schreiben und Veröffentlichen

Plädoyer für Gelassenheit beim Schreiben und Veröffentlichen
Leben Marketing Schreiben Self-Publishing 0 Kommentare

Von dem Moment an, an dem man seinen im stillen Kämmerlein verfassten Text nimmt und ihn in die große weite Welt schickt, öffnet sich das Tor zu einer aufregenden und  neuen Welt. Dieses Kind, dass man sich quasi aus den eigenen Rippen geschnitten hat, bedeutet alles. Es soll es gut haben und die ganze Welt erobern. Doch es warten unzählige und vor allen Dingen bisher völlig unbekannte Herausforderungen auf das geschaffene Werk, die bei Autorin und Autor Panik und ungebremsten Aktionismus auslösen können. Doch ich möchte an dieser Stelle für mehr Gelassenheit werben.


Das erste Buch ist nicht das Ende.


Gewöhnlich hat man an dem ersten Buch sehr lange gearbeitet und gefeilt, bis man sich traut, es hinauszuschicken. Alle Wünsche und Erwartungen lasten auf diesen Seiten. Doch auch wenn man öfter Geschichten von Erstlingsautoren hört, die sogleich den großen Durchbruch schafften, so ist es doch nicht die Regel. Schreiben ist, genau wie viele andere Tätigkeiten, eine Übungssache. Das erste Buch ist nur selten das Beste. Und das ist auch gut so. Denn wie viele der erfolgreichen Senkrechtstarter durften ihr Leben lang nichts anderes mehr schreiben? Wie oft hörte man nach dem Erstlingshit nie wieder etwas von dieser Person außer vielleicht schlechten Abklatschen des Bestsellers? Darüber hinaus entscheidet entgegen der landläufigen Meinung nicht nur das Buch selbst über den Erfolg. Image und Auftreten der Autorin sind ebenfalls wesentliche Faktoren. So manches Buch eines Bestsellerautors würde als Erstlingswerk eines Unbekannten durchfallen. Mein erstes Buch wurde jetzt erst veröffentlicht, nach dem es vor Jahren keinen Verlag fand. Heute sind die Leser begeistert und feiern es teilweise als mein bestes Werk. Die Wahrnehmung ist also immer subjektiv und geprägt durch viele Faktoren, die sich erst mit der Zeit zeigen können. Also, das erste Buch ist ein wesentlicher Schritt, aber danach gibt es noch viele weitere Schritte, die alles ändern können. Anstatt sich also nur auf dieses erste Buch zu konzentrieren, mache besser die nächsten Schritte und schreibe ein zweites und drittes Buch.

Es gibt keine Marketingfehler.


In den einschlägigen Gruppen werden unzählige Fragen zu unterschiedlichen Marketingmöglichkeiten ausgiebig diskutiert. Soll ich hier eine Anzeige schalten? Macht es Sinn auf diese Messe zu gehen? Soll ich eine Online-Release-Party für mein Buch machen? Die Themen und Ideen sind unendlich. In den vielen Fragen schwingt immer die Angst mit, etwas falsch zu machen oder zumindest nicht das Richtige zu tun. Doch im Marketing gibt es kein richtig oder falsch. Letztlich ist das Ziel von Marketing lediglich, sichtbar zu sein. Dies kann man auch durch Fehler erreichen. Na gut, man muss dann schon mit dem daraus resultierenden Image leben können. Ich will also nicht sagen, dass man sich gar keine Gedanken machen sollte. Allerdings ist die Angst, etwas Falsches im Marketing zu tun, völlig unnötig. Ich habe nach meinen ersten Veröffentlichungen sehr viele Dinge gemacht, die sich als nicht so gut herausgestellt haben. Mein Fehler war aber nicht, diese Dinge getan zu haben. Mein Fehler und der Grund, warum ich heute bei weitem nicht so weit bin, wie ich hätte sein können, war, dass ich mich immer weiter damit beschäftigt habe, diese Fehler auszumerzen, anstatt einfach das nächste Buch zu schreiben und es dann eben anders zu machen.

Schreiben und Veröffentlichen von Büchern ist wie das Leben.


Ein paar Jährchen Lebenszeit habe ich bereits auf dem Buckel und daher gibt es rückblickend auch diverse Dinge und Entscheidungen, bei denen ich nicht sicher bin, ob ich sie bei einer zweiten Chance genauso machen würde. Aber ich bin heute da, wo ich bin und es ist verdammt gut dort. Mit dem Schreiben und Veröffentlichen ist es genauso. Man weiß sowieso nicht, was kommt. Man kann einfach nur einen Schritt nach dem nächsten tun und sehen, was kommt. Wenn man nur die Schritte macht, die man möchte und die einem Spaß machen, dann kommt man definitiv dort an, wo man sich sehr wohlfühlt. Ich möchte dir daher den Tipp mitgeben, gelassen deinen Weg beim Schreiben und Veröffentlichen zu gehen und dich darauf zu freuen, was Tolles auf dich wartet.

Mehr Lesestoff

Diese Artikel könnten dich interessieren

Umbrüche, Erfolge, Niederlagen - mein 2018

Umbrüche, Erfolge, Niederlagen - mein 2018

Eine gute Freundin von mir amüsiert sich jedes Silvester, wenn ich wieder mal verlauten lasse, dass das kommende Jahr mein Jahr werden würde. Silvester 2017 hatte diese Freundin keinen Grund, sich zu ...

Zum Artikel

Wie offen will ich sein?

Wie offen will ich sein?

Gestern saß ich mit einem Zeitungsredakteur zusammen und wir unterhielten uns über meinen kommenden Buchstart. »Das ist ja fast wie ein zweites Outing«, stellte er plötzlich fest und ich sah ihn ersta...

Zum Artikel

Ab wann bin ich erfolgreich?

Ab wann bin ich erfolgreich?

Auf der gerade zu Ende gegangenen Buchmesse in Leipzig saß ich mit einer Bloggerin bei einem Kaffee zusammen. Wir unterhielten uns und plötzlich fragte sie mich: »Wie fühlt es sich

Zum Artikel

Geh deinen Weg

Geh deinen Weg

Gestern saß ein Redakteur der hiesigen Tageszeitung auf meiner Couch, um mich für ein Porträt zu befragen, das nächste Woche über mich erscheinen soll. Vor ein paar Monaten saß schon mal der Journalis...

Zum Artikel

Wenn alles zu viel wird

Wenn alles zu viel wird

Machen wir uns nichts vor, es gibt gemütlichere Hobbys als Bücher zu schreiben und sie im Selfpublishing zu veröffentlichen. Nicht das wir uns missverstehen: Ich liebe das, was ich tue. Aber ich muss ...

Zum Artikel
0 Kommentare Plädoyer für Gelassenheit beim Schreiben und Veröffentlichen
Hinterlasse deinen Kommentar